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DIE BILDUNGSPERLE


Österreich ist ein Land, in dem – ausgenommen bei den Schirennläufern und Schispringern - das Mittelmaß geschätzt wird. Deutlich zeigt sich das bei vergleichenden Studien. In den Medien werden Durchschnittszahlen präsentiert, aber die interessantesten Fragen, wo die Besten und Schlechtesten sitzen, werden weder gestellt noch beantwortet. Deutlich ist die Oberflächlichkeit bei den Diskussionen um die PISA-Studien (Kompetenzen der Fünfzehnjährigen), bei TIMSS (mathematische Kompetenzen der Zehnjährigen) und PIRLS (Lesekompetenzen der Zehnjährigen) zu sehen. Da wimmelt es nur so von nichtssagenden Durchschnittszahlen. Frau Ministerin Schmied hat vor Jahren versprochen, eine genaue Analyse der letzten TIMSS/PIRLS Studien über die österreichischen Volksschulen zu veröffentlichen, doch bisher hat man außer banalen statistischen Mittelwerten nichts gehört.

Da es alljährlich vor Schulschluss üblich ist, das österreichische Schulsystem und seine Lehrer rituell zu attackieren, sei diese Vorgehensweise hier durchbrochen und – stellvertretend für viele gute österreichische Schulen - ein Glanzstück erwähnt: Das Gymnasium Bludenz. An dieser vorbildlichen Schule werden nicht nur die üblichen Freifächer und Wahlpflichtgegenstände angeboten, es werden und wurden auch qualitativ hochwertige Kulturprogramme durchgeführt. Mehrere Projekte sind sogar von einem hohen wissenschaftlichen Wert, zwei davon seien hier genannt.

Der „Wald-Check“ ist ein unter der Patronanz des Ökologieinstitutes der Universität Innsbruck laufendes Großprojekt, das Schüler eines Praktikumsjahrganges in den nächsten Jahren durchführen werden. An diesem Programm, das im Rahmen der Aktion „Sparkling Science“ durchgeführt wird, sind auch andere Schulen in Vorarlberg beteiligt. Es geht dabei um eine gründliche Beantwortung waldökologischer Fragestellungen und um das Sammeln großräumiger Daten. Im Rahmen des Projekts erhalten die beteiligten Schüler eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung.

Das hervorragendste Konzept der nächsten Jahre lautet „Gesundheit und Bewegung“. Es handelt sich um ein über vier Jahre laufendes neues Unterrichtsfach. Der Themenbogen umfasst Ernährung, Anatomie und Physiologie, Sport und Alter, Prävention, Rehabilitation, Gesundheit und Wirtschaft und viele andere. Wenn man bedenkt, dass die auf Fehlernährung und Bewegungsmangel zurückzuführenden Zivilisationskrankheiten heute schon Milliardenkosten verursachen, kann man das Bludenzer Projekt nicht hoch genug einschätzen. Über unsere Schulen zu schimpfen ist unredlich, solange Österreichs Bildungsperlen, wie etwa in Bludenz, ignoriert werden.

Dieser Artikel sollte in den Vorarlberger Nachrichten erscheinen, wurde aber wegen kritischer Anmerkungen zur österreichischen Schulpolitik nicht akzeptiert.



© 2011 Rudolf Öller, Bregenz