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DER GROSSE ENTWURF


Das neue Buch des Astrophysikers Stephen Hawking, das ist der berühmteste Rollstuhlfahrer der Welt, hat für Wirbel gesorgt. „Der große Entwurf“ beschreibt den Beginn des Universums, wobei Hawking eindeutig atheistisch argumentiert.

In der Physik gibt es zwei Wissensbereiche, die bis an die Grenzen des Erforschbaren gehen. Die Quantenphysik beschäftigt sich mit dem unendlich Kleinen, die allgemeine Relativitätstheorie mit dem unendlich Großen. Beide Theorien haben die unangenehme Eigenschaft, dass man nur mit Hilfe der höheren Mathematik mitreden kann. Ohne Integralrechnungen und Differentialgleichungen geht hier nichts.

Die ältesten Fragen der Philosophie und Theologie kann man kurz zusammenfassen: Erstens: Warum gibt es etwas und nicht etwa nichts? Zweitens: Warum existieren wir? Die Naturwissenschaften sind bescheidener und stellen Fragen wie: Warum gelten die uns bekannten Naturgesetze und nicht andere? Die Theologen beantworten die erste und zweite Frage mit dem Hinweis auf Gott als Schöpfer des Universums und des Lebens. Wenn alles, was existiert, einen Schöpfer hat, muss auch der Schöpfer selbst einen Schöpfer haben, entgegnen die Naturwissenschaften.

Stephen Hawking hat nun in seinem neuen Buch gemeinsam mit dem russischen Physiker Leonard Mlodinow ein rein atheistisches Konzept der Entstehung des Universums vorgelegt. So merkwürdig es auch klingen mag, aber aus der Hochenergiephysik wissen wir, dass das Nichts Materie hervorbringen kann. Unter wahrscheinlich billionen eintönigen Universen ist dabei eines entstanden, das Quarks und Elektronen enthält, die sich zu Atomkernen und Atomen zusammenschließen, die wiederum Moleküle bilden um am Ende Leben hervorbringen zu können.

Das große Missverständnis besteht nun darin, dass „atheistisch“ mit „gottlos“ verwechselt wird. Atheistisch kann auch bedeuten, dass man etwas natürlich erklären kann, ohne auf ein übernatürliches Eingreifen zurückgreifen zu müssen. Den lieben Gott für all das zuständig zu machen, was wir uns (noch) nicht erklären können, ist eine einfältige Theologie. Der Schöpfergott wird zum „Lückenbüßergott“. Diese Theologie legt der eigenen Religion eine Schlinge um den Hals, die von den Naturwissenschaften schrittweise zugezogen wird. Die Mystik bleibt auf der Strecke.

Hawking gibt sich in seinem Buch kämpferisch. Er erklärt, dass die Naturwissenschaften noch nicht alle Fragen beantworten können, dass aber die Philosophen und Theologen hinsichtlich der großen Fragen des Universums vollkommen abgedankt haben. Hawkings Buch hat auch Einwände hervorgerufen, aber das war Absicht. Ohne Kontroversen gibt es keinen Fortschritt.




© 2011 Rudolf Öller, Bregenz