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ALARMISMUS


Der Begriff „Alarmismus“ ist ein Modewort geworden, weil uns tagtäglich eine größere Portion Weltuntergang aufs Frühstücksbrot geschmiert wird. Die öffentliche Diskussion von Problemen wird dann als „alarmistisch“ bezeichnet, wenn diese nicht existieren oder als übertrieben erscheinen.

Die letzte vermeintliche Katastrophe war die Schweinegrippe, bekannt auch unter dem wissenschaftlichen Kürzel H1N1. Kaum war das Virus identifiziert, gab es schon eine Pandemiewarnung. Eine Hysteriewelle rollte wie ein Tsunami durch die Medien bis auch der letzte Hypochonder sich fragte: „War da was?“ Die H1N1-Grippewelle war jedenfalls nicht gefährlicher als jede andere. Trotzdem entstand manchmal der Eindruck, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis man die Leichenhallen wegen Überfüllung schließen müsse.

In den Jahren 2005/06 bedrohten uns nicht die Schweine sondern die Vögel. Die Vogelgrippe H5N1 verbreitete Angst und Schrecken. Jeder tote Vogel wurde behandelt wie ein radioaktiv verseuchter Kadaver. Daunendecken kamen in Verruf, Brathühner erst recht. Das Entsetzen war auch mit der Mitteilung, dass eine Übertragung von Vogel zu Mensch extrem selten sei, kaum zu bändigen. Nach dem Ende der Grippesaison 2005/06 verschwand die Vogelgrippe sang- und klanglos aus den Medien. Viel Lärm um nichts.

In der Grippesaison 2002/03 sorgte SARS (schweres Atemwegssyndrom) für Panik. Es handelte sich um eine virale Lungeninfektion, ähnlich einer Lungenentzündung. Das Virus breitete sich von China kommend weltweit aus. Die Todeszahlen entsprachen insgesamt den Verkehrstoten eines Jahres in Österreich. Monatelang wurden die Menschen mit Bildern gefährlich aussehender Menschen in Schutzanzügen mit Maske und Schutzbrille traktiert. Diese Bilder verschwanden parallel mit SARS.

2001, und einige Male auch noch später, dominierte BSE (eine Hirnerkrankung bei Rindern) die Medien. Man sprach allgemein vom „Rinderwahnsinn“. Die Ursache war schnell gefunden. Teile von Tieren wurden nach der Schlachtung zu Tiermehl verarbeitet und der nächsten Rindergeneration zum Fressen gegeben. Die Reaktionen bestanden darin, dass viele Leute so lange auf Rindfleisch verzichteten, bis die Seuche wieder aus den Medien verschwunden war.

Das Waldsterben war ein beobachtbares Phänomen, aber das Ausmaß wurde in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts so extrem aufgeblasen, dass es in Europa heute gar keine Bäume mehr geben dürfte, wenn die Prognosen eingetroffen wären. Ein bedenkliches Problem liegt heute darin, dass Unheil aller Art unnötig dramatisiert wird. Die Folge davon ist wachsende Gleichgültigkeit.




© 2010 Rudolf Öller, Bregenz