zurück Übersicht weiter

NINJA-KREDITE


Ökologie und Ökonomie haben den gleichen Ursprung. Im einen Fall ist der Natur-, im anderen Fall der Finanzhaushalt gemeint. Beide Begriffe haben viel gemeinsam, was man an den Ursachen der aktuellen Krisen erkennen kann.

Die Wirtschaftskrise hat begonnen, als im letzten ausgehenden Jahrtausend die Clinton-Regierung die US-Banken ermunterte, finanzschwachen Familien zu Wohnbaukrediten zu verhelfen. Die amerikanischen Banken vertrauten in der Folge auf den sozialen Impetus der Regierung und erfanden Kredite, Anleihen und Hypotheken, die schnell den Spottnamen „Ninja-Kredite“ erhielten. Ninja steht für „No income, no job, no asset“, was so viel bedeutet wie “Kein Einkommen, keine Arbeit, kein Besitz“. Einigen Banken war irgendwann klar geworden, dass sie diese madigen Forderungen loswerden mussten. Die cleversten Geschäftsleute schnürten die Ninja-Kredite zu ungenießbaren Finanzprodukten und legten zu diesem faulen Gemüse gerade so viele frische Äpfel und Birnen, dass die Präparate von den berüchtigten Rating Agenturen als „AAA“, also absolute Superprodukte, eingestuft wurden. Als die Banken merkten, dass die staatliche Finanzaufsicht in einer Mischung aus Blindheit und Trägheit diese Tricks anstandslos durchgehen ließen, gab es kein Halten mehr. Die Banken rissen sich um Ninja-Kredite, verpackten sie und verkauften den Schrott an den Börsen, wo eine Unzahl von Gierhälsen hastig zugriff. Die thumben staatlichen Aufsichtsbehörden schauten weg, so kam es zu einer Bildung von Scheinwerten in Billionenhöhe. Das Resultat kennen wir alle: Banken, die auf Ninja-Krediten sitzen blieben, gingen bankrott, das globale Finanzsystem holpert und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Schuld haben nicht nur die viel geschmähten Finanzhaie, sondern auch die schläfrigen Regierungen und ihre Behörden.

Im Bereich der Ökologie passiert zurzeit das gleiche, wobei unser globales Öko-Ninja-Spiel wegen des Kapitals der Natur länger dauert als bloß ein paar Jahre. Das hat zu dem irrigen Glauben geführt, dass „länger“ so viel bedeutet wie „ewig“. Die Natur hat ein Einkommen durch die Photosynthese (die Primärproduktion), sie hat einen Job (das dynamische ökologische Gleichgewicht) und sie hat ein Vermögen (Biomasse und Energieträger). Unser Fehler, wobei mit "uns" die Industrienationen gemeint sind, besteht darin, dass wir längst nicht mehr von den Zinsen der Natur, sondern vom Kapital in Form von Boden, Wasser und nicht erneuerbaren Rohstoffen leben. Die Regierungen werden sich etwas einfallen lassen müssen. Kaputte Finanzsysteme sind tausendmal leichter zu reparieren als kollabierte Ökosysteme.




© 2009 Rudolf Öller, Bregenz