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DARWINS SELEKTION


Charles Darwin, dessen 200. Geburtstag in Kürze gefeiert wird, musste keine Not leiden. Sein Vater, ein wohlhabender Arzt, hatte ihm eine stattliche Summe vermacht, aber die Heirat mit Emma Wedgwood, ein Mitglied der steinreichen britischen Porzellandynastie, machten Darwin zu einem begüterten Mann. Darwin hätte sich der Muße und der Jagd hingeben können, aber das entsprach nicht seinem Naturell. Südlich von London fand Darwin in der kleinen Ortschaft Down (später in „Downe“ umbenannt) ein Landgut, das er zu einer biologischen Forschungsstation ausbauen ließ. Am Ende des großen Grundstückes legte er einen Weg an, auf dem er vierzig Jahre lang täglich eine Stunde wanderte und dabei seine Gedanken sortierte.

Darwin veröffentlichte Aufsätze und Bücher über seine fünfjährige Weltreise, über Pflanzen und Tiere, darunter ein mehrbändiges Standardwerk über Rankenfußkrebse. Wenig bekannt ist, dass sich Darwin gegen den Sklavenhandel eingesetzt hat. Er verdammte alle diejenigen, die von einem „tolerierbaren Übel“ sprachen und verfasste einen Katalog „herzzerreißender Gräueltaten“, die er in Südamerika gesehen hatte. Er schrieb von „Taten, begangen und beschönigt von Menschen, die behaupten, ihre Nächsten zu lieben wie sich selbst, die an Gott glauben und beten, dass sein Wille auf Erden geschehe.“

Darwin war sich nicht zu schade, in England herumzureisen, um mit Tauben- und Schweinezüchtern über Unterschiede in den Zuchtlinien zu diskutieren. Außerdem kannte er hervorragende Zoologen und Botaniker, die ihn mit Material und Hinweisen versorgten. Allmählich reifte die Idee von der Abstammung aller Arten. Darwin wusste aber gut, dass seine Theorie für die Philosophen und Theologen des 19. Jahrhundert ein Albtraum sein würde, also hielt er die Manuskripte unter Verschluss. Im Juni 1858 traf auf Darwins Landhaus ein Brief des Privatgelehrten Alfred R. Wallace mit der Bitte um eine Stellungnahme ein. Das "Essay on the Law which has regulated the Introduction of New Species." (Essay über das Gesetz, welches die Entstehung neuer Arten reguliert hat) stimmte inhaltlich genau mit den Theorien Darwins überein. Jetzt war Eile angesagt. 1859 publizierte Darwin, angetrieben von seinen Mitstreitern, sein großes Werk "On the Origin of Species by Means of Natural Selection" ("über die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion"). Das Buch löste heftige Debatten aus, doch die überwiegende Zahl der Biologen stimmte Darwin zu. 1871 erschien das Buch, das den größten Wirbel auslösen sollte: "The Descent of Man and Selection in Relation to Sex." ("Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Auswahl.") Die Welt war nach Darwin eine andere geworden.




© 2009 Rudolf Öller, Bregenz