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DIE GESCHICHTE DER ATOMBOMBE: HITZKÖPFE


Am 23. Oktober 1954 trat die Bundesrepublik Deutschland der NATO bei. Keine vier Jahre später, am 25. März 1958, beschloss die Bundesregierung, in Deutschland Atomwaffen zu lagern und Trägersysteme zu installieren. Offensichtlich war man der Meinung, dass Appeasementpolitik (Beschwichtigung) einen Aggressor, in diesem Fall war die Sowjetunion gemeint, nur noch aggressiver machen würde. Die Deutschen und ihre Verbündeten befolgten die alte politische Regel, wonach überlegene Feuerkraft bei Friedensverhandlungen von Vorteil ist.

Die nuklearen Supermächte kannten die Gefahren des atomaren Wettrüstens und entwickelten ausgeklügelte Mechanismen, um den irrtümlichen oder vorschnellen Einsatz von Atomwaffen zu verhindern. Trotzdem wäre es im Herbst 1962 beinahe zu einem weltweiten Atomkrieg gekommen. Ein amerikanisches Spionageflugzeug vom Typ Lockheed U-2 hatte in der Nähe von San Christobal auf Kuba atomar bestückte sowjetische Lang- und Mittelstreckenraketen vom Typ SS-4 und SS-5 entdeckt. Diese Raketenkrise konnte nach hektischen diplomatischen Bemühungen der Kennedy-Regierung gerade noch beigelegt werden.

Das große Fragezeichen ist Israel. Bekanntlich gibt es die demokratische Bombe (USA, Großbritannien, Frankreich), die russische Bombe, die kommunistische Bombe (China), die hinduistische (Indien) sowie die moslemische Bombe (Pakistan). Gibt es auch die jüdische Atombombe? Man stelle sich vor, was passierte, wenn Terroristen eine Atombombe hätten, um diese mitten in der Atommacht Israel hochgehen zu lassen. Der nahe Osten könnte sich in einen Feuerball verwandeln und die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten hervorrufen.

Am 22. September 1979 registrierte ein Satellit im Südatlantik Lichtblitze, bei denen es sich möglicherweise um geheime Atombombentests Israels handelte. Auch seismische Messungen deuteten auf eine atomare Explosion hin. Im Dezember 2006 behauptete der israelische Premierminister Olmert in einem Interview, dass Israel Atomwaffen besitze. Details wurden keine genannt. Aus diesem Grund schwanken die Schätzungen zwischen 100 und 400 israelischen Atomsprengköpfen. Sollte Israel tatsächlich über nukleare Sprengsätze verfügen, so würde dieses Land im Fall des Falles nicht zögern, sie einzusetzen. Nicht nur das! Die beiden Erbfeinde Indien und Pakistan sind ebenfalls atomar bestückt und belauern sich misstrauisch. Sollte der Iran bald Atombomben besitzen, dann gäbe es gleich zwei labile Gleichgewichte des Schreckens: Der naher Osten und der indische Subkontinent.
Und was macht Europa?
Es schläft nicht nur, sondern blockiert sich selbst bis hin zum außenpolitischen Koma.




© 2008 Rudolf Öller, Bregenz