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MOBILFUNKSTRAHLEN


Das Drama begann in den Jahren 1895 und 1896. Zuerst entdeckte Konrad Wilhelm Röntgen nach Versuchen mit einer Kathodenstrahlröhre in Würzburg die nach ihm benannten energiereichen Strahlen. Ein Jahr später folgte der Franzose Henry Becquerel in Paris mit der Radioaktivität, die er durch Zufall in Uranerz entdeckte. Die Bezeichnung „radioaktive Strahlen“ prägte später die Physikerin Marie Curie, die erstmals radioaktive Elemente chemisch isolieren konnte. Damals, als man noch nicht wusste, worum es sich handelt, haftete diesen Strahlen etwas Unheimliches an.

Alles, was unsichtbar ist, trotzdem aber etwas bewirkt, erscheint manchen Menschen nach wie vor bedrohlich. Tatsächlich sind einige Strahlen alles andere als harmlos. Röntgenstrahlen durchdringen Lebewesen, Gammastrahlen durchqueren Metallwände, und ultraviolettes Licht kann Sonnenbrand, schnelle Hautalterung und Hautkrebs bewirken. Wenn man dann noch von „Tschernobylstrahlen“ hört, ist es bis zum Glauben, dass all dieses Teufelszeug brandgefährlich ist, nur noch ein Schritt.

Elektromagnetische Strahlen haben eines gemeinsam. Sie breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Auch das Licht ist eine elektromagnetische Welle, die einzige, die von unseren Augen wahrgenommen wird. Das für uns Menschen interessante Kriterium liegt in den Energien. Man bemüht am besten militärische Vergleiche. Während UV-Strahlen mit Pistolenkugeln und Röntgenstrahlen mit Maschinengewehrsalven verglichen werden können, gehören Gammastrahlen zur schweren Artillerie. Die Photonenenergie von Radiowellen liegt dagegen etwa vierzehn Zehnerpotenzen unter den Röntgenstrahlen, das entspricht etwa der Energie fallender Regentropfen oder Schneeflocken.

„Handystrahlen“ sind zu schwach, um in lebenden Zellen mess- oder sichtbare Schäden anrichten zu können. Das ist längst bekannt. Aus diesem Grunde reagierten Naturwissenschafter skeptisch, als 2005 von der Universität Wien Horrormeldungen kamen, wonach Mobilfunkstrahlen das Erbgut in den Zellen verändern. Mobilfunkgegner forderten daraufhin eine Senkung der Grenzwerte. Kürzlich haben sich die entsprechenden Studien - wenig überraschend - als frei erfunden herausgestellt. Die Universität Wien ermittelt zurzeit wegen Betrugs.

Derartige Betrügereien sind doppelt bedauerlich. Erstens wird das Ansehen der Wissenschaft generell erschüttert, und zweitens werden ehrliche Umweltschützer, denen die Zukunft der Menschheit und die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen viel bedeuten, der Lächerlichkeit preisgegeben. Wer noch nie auf betrügerische Versprechungen oder Warnungen hereingefallen ist, werfe den ersten Stein.




© 2008 Rudolf Öller, Bregenz