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DIE GROSSE AHNENREIHE


Die Kleinen lernen es schon in den ersten Klassen der Hauptschulen und Gymnasien: Es gibt hundeartige Raubtiere, katzenartige Raubtiere, Nagetiere und andere Säugetierordnungen. Die Ähnlichkeit aller Katzen, egal ob Hauskatze oder Leopard, die Ähnlichkeit aller Bären, auch die der Wale und vieler anderer Säugetiere ist so offensichtlich, dass sie schon von Kindern richtig als Verwandtschaft gedeutet wird. Verwandte haben gemeinsame Vorfahren, eine Erkenntnis, die nicht nur auf Menschen zutrifft, sondern auf die gesamte belebte Natur. Der englische Biologe Charles Darwin war der erste, der dies erkannt und formuliert hatte.

Die Verwandtschaft aller Säugetiere untereinander ist auf den ersten Blick nicht mehr erkennbar. Eine Spitzmaus mit 3 Gramm hat mit einem hundert Tonnen schweren Blauwal optisch nichts gemein. Trotzdem vereint sie die Konstruktion der inneren Organe wie Lunge, Vier Kammer-Herz, Nieren, Zentralnervensystem usw.

Je weiter gemeinsame Vorfahren in der Vergangenheit liegen, desto schwieriger sind Verwandtschaftsverhältnisse zu erkennen. Bei den Chordatieren ist es ein im frühen Embryonalstadium entstehender Stab über dem Urdarm. Einige Tiere haben aus diesem Stab nichts gemacht, er bleibt erhalten, wie etwa beim Lanzettfischchen und den Manteltieren, die gerne mit Quallen verwechselt werden. Andere Tiere haben den Stab zur Wirbelsäule weiter entwickelt. Deren Besitzer fasst man heute unter „Wirbeltiere“ zusammen.

Die großen Gruppen nennt man „Stämme“, wie etwa die Chordatiere (alles vom Manteltier bis zum Menschen), Stachelhäuter (Seestern, Seegurken usw.), Weichtiere (Schnecken, Muscheln, Tintenfische), Hohltiere (Korallen und Quallen) und noch viele andere. Selbst bei scheinbar unterschiedlichsten Stämmen findet man Gemein-samkeiten, wie etwa zwischen Chordatieren und Stachelhäutern, die man unter „Neumundtiere“ zusammenfasst. Im Laufe der Zeit entdeckten Zoologen auch Übergangsformen, die auf Verwandtschaften hinweisen, wie Neopilina, die ein Mittelding zwischen Schnecken und Ringelwürmern darstellt.

Die universelle Verwandtschaft - auch „Makroevolution“ genannt - existiert, darin sind sich die Biologen einig. Wie die renommierte Fachzeitschrift „nature“ unter dem Titel „Improved Relations“ kürzlich bekannt gab, analysieren Genetiker zurzeit der Reihe nach Vertreter der 21 Tierstämme und suchen nach genetisch belegbaren Verwandtschaften. Schon die ersten publizierten Resultate offenbaren die große Ahnenreihe aller Lebewesen. Der letzte Schritt zum ultimativen Beweis der gemeinsamen Abstammung allen Lebens, einschließlich des Menschen, steht unmittelbar bevor.




© 2008 Rudolf Öller, Bregenz