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GEJAGT, GEFANGEN, GEDEMÜTIGT, GETÖTET


Menschenaffen sind eine Familie der Altweltaffen mit drei Gattungen und vier Arten. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf Äquatorialafrika sowie auf die südostasiatischen Inseln Sumatra und Borneo beschränkt. Zu den Menschenaffen zählen der Zwergschimpanse (Pan paniscus), der Schimpanse (Pan troglodytes), der Gorilla (Gorilla gorilla) und der Orang Utan (Pongo pigmaeus). Menschenaffen werden gemeinsam mit den Menschen (Homo sapiens) zur Säugetierordnung der Herrentiere (Primaten) gezählt.

„Wie hässlich ist der Affe und wie sehr ähnelt er uns Menschen“. Dieser alte Kalauer trifft den wunden Punkt derjenigen, die überzeugt sind, die menschliche Art sei etwas Einzigartiges. Die Überzeugung ist sogar richtig, denn unsere menschliche Art ist genauso einzigartig wie der schlitzohrige und damit schon menschlich wirkende Zwergschimpanse, der sympathische Schimpanse, der etwas gewalttätig wirkende Gorilla und der gemütliche rothaarige Orang Utan. Die enge Verwandtschaft der Menschenaffen mit uns Menschen ist aber längst keine bloße Vermutung mehr. Sie konnte durch molekularbiologische und genetische Befunde bewiesen werden.

Amerikanische Biologen wagten daher eine erstaunliche Forderung. Schimpansen sind als evolutionäre Geschwister des Menschen ebenfalls zur Gattung Homo zu zählen. Menschenaffen sollten in die Familie der Hominiden gereiht werden. Ein Team der Wayne-Universität in Detroit hatte Dutzende menschliche Gene mit denen von Schimpansen und anderen Menschenaffen verglichen. Demnach hatten sich Menschen und Schimpansen von ihrem gemeinsamen Vorfahren, der vor etwa sechs Millionen Jahren lebte, evolutionär etwa gleich weit entfernt. Die biologische Distanz ist jedoch klein geblieben. In wichtigen genetischen Bereichen unterscheiden sich Menschen und Schimpansen nur zu einem halben Prozent.

Erkenntnisse der Naturwissenschaften fließen oft in irgendeiner Form in die Politik ein. Der kürzliche Versuch der spanischen Regierung, neue Tierschutzbestimmungen für Menschenaffen zu erlassen, hat aber die Wogen der Emotion hochgehen lassen. Von „Menschenrechten für Menschenaffen“ schrieb eine ignorante spanische Presse in Unkenntnis der tatsächlichen Absichten - so als ob Affen ein Wahlrecht bekommen sollten.

Spanien hat einen interessanten Weg gewiesen, denn wir haben unsere biologischen Vettern zu lange gejagt, gefangen, gedemütigt und getötet. Es ist an der Zeit, unser Verhältnis zu den Affen, letztlich zu allen Tieren und in der Folge zu unseren eigenen Artgenossen zu überdenken. Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur mit ihrer Artenvielfalt trotz oder gerade wegen unserer grotesken Übertechnisierung.




© 2006 Rudolf Öller, Bregenz