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APRIL! APRIL!


Es ist angeblich nicht mehr leicht, jemanden in den April zu schicken, weil jeder argwöhnisch damit rechnet. Tatsächlich? In Wahrheit lassen wir uns tagtäglich an der Nase herumführen. Der 1. April ist längst zu einer Dauereinrichtung geworden. In einer Welt der globalisierten Informationsfluten werden viele von uns Opfer eines permanenten Aprils, in den wir uns wegen unserer eigenen Vorurteile selbst zu schicken pflegen. „Ex eventu iudicium facere, non ex conslio“ erkannte schon Cicero. Aufgrund des (objektiven) Ergebnisses soll man sich ein Urteil bilden, nicht durch die bloße Absicht. Doch nur wenige sind bereit, sich den Lieblingsglauben von störenden Tatsachen ruinieren zu lassen.

Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) und ähnliche Institutionen wie das amerikanische „Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal“ (CSICOP) halten Listen mit Para- und Scheinwissenschaften evident: Astralkörper, Astrologie, Atlantis, Bermuda-Dreieck, Biorhythmen, Deutsche Physik nach Starck und Lenard, Geomantie, Geistheilen, Handlesen, Hohlwelttheorie, I-Ging, Kabbala, Kirlian-Photographie, Kreationismus, Kryptozoologie (Loch Ness), Orgontheorie nach Reich, Okkultismus, Präastronautik (Däniken), Präkognition, Psychokinese, Scientology, Tarot, Welteislehre, Zahlenmystik und viele andere. Vertreter der genannten Glaubenssysteme behaupteten und behaupten zwar, dass ihre Lehren seriös, wahr und längst bewiesen seien, doch dem Prinzip der objektiven Überprüfbarkeit halten sie nicht stand.

In vielen Fällen kann man den Widerspruch mit purer Logik erkennen. Könnte man beispielsweise die Zukunft genau vorhersagen, wie Astrologen und Anhänger der Präkognition behaupten, dann gäbe es mehr Lotto- und Totogewinner und die Skeptikerorganisationen könnten nicht alljährlich zu Jahresbeginn die Gilde der Weissager öffentlich vorführen, indem sie die unzähligen falschen Prognosen des abgelaufenen Jahres auflisten und die Treffer als puren Zufall entlarven.

Wer nichts weiß, muss alles glauben. Je höher die Bildung, desto geringer die Gefahr, Opfer einer Desinformationen durch Pseudowissenschaften zu werden. Aber auch qualifizierte Menschen fallen mitunter auf abseitige Ideen herein. Die großen Ideologien wie Nationalsozialismus oder Kommunismus hätten sich seinerzeit nie durchsetzen können, wenn nicht eine Clique gebildeter Beta-Typen durchgedrehten Alfa-Männchen vom Schlage eines Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot und anderen den Weg bereitet hätten. Das Sommerthema des VN-Scheinwerfers wird sich in diesem Jahr dem Thema „Ideologien“ widmen.




© 2006 Rudolf Öller, Bregenz