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DAS EUTHANASIESCHLOSS

Sechzig Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und fünfzig Jahre nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages wurde in den Medien und in Form zahlreicher Ansprachen und Unterrichtsprojekte an die NS-Tötungsmaschine in den Konzentrationslagern erinnert. Ein oberösterreichischer Ort kam dabei in die Schlagzeilen, als Bundespräsident Heinz Fischer dort kürzlich eine Gedenkrede hielt: Das Renaissanceschloss Hartheim.

Der Name Hartheim steht für industriell organisierte und durchgeführte Massen-Euthanasie. Die Diskussion über (passive) Euthanasie ist in letzter Zeit durch den Fall der Amerikanerin Theresa „Terri“ Schiavo aktuell geworden, doch dies ist nicht mit den Vorgängen in Hartheim zu vergleichen.

Die Tötungsmaschinerie von "Anstalt C" – dies war die Tarnbezeichnung für Schloss Hartheim – lief bereits im Sommer 1940 auf Hochtouren. Nur etwa 100 Geheim-dienstleute und Ärzte wussten damals Bescheid. Die interne Statistik, die der zuständige Beamte für Anstalt C, Edmund Brandt, in der Euthanasiezentrale in Berlin führte, listet auf:
Mai: 633, Juni: 982, Juli: 1449, August: 1740 „Desinfektionen“. So wurden die Morde mit anschließender Verbrennung genannt.

Die Vorgehensweise war immer gleich. Vermeintliche und tatsächliche Erbkranke sowie Menschen, die dem Normbild eines gesunden Ariers nicht entsprachen - generell „lebensunwertes Leben“ -, wurden zu Hause abgeholt. Die Patienten sollten angeblich auf Kur geschickt werden. Sie wurden nach Hartheim gebracht und ermordet. Die Angehörigen erhielten ein Beileidschreiben zum „plötzlichen Ableben“.

Hätten NS-Biologen die damals schon bekannten Regeln der Populationsbiologie genauer betrachtet, dann hätte ihnen das seit 1908 bekannte „Hardy-Weinberg-Gesetz“ auffallen müssen. Dieses mathematische Modell zeigt die statistische Verteilung der Gene in einer Population. Man kann damit nachweisen, dass Selektion gegen reinerbig belastete Individuen populationsbiologisch nichts bewirkt, weil die Masse der genetischen Bürde („genetic load“) in den so genannten Überträgern steckt. Wenn eine seltene rezessive Erbkrankheit in einer Population in der Häufigkeit 1:10.000 auftritt, dann ist zwar jeder Zehntausendste betroffen, aber bereits jeder Fünfzigste (!) ist ein Überträger. Sortiert man die Erbkranken aus, erhält man in der Folgegeneration trotzdem die gleichen Zahlen.

Euthanasie gegen Erbkranke ist nicht nur moralisch verwerflich sondern entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Immer dann, wenn Machthaber Wissenschaften ignorieren und ideologielastige Pseudowissenschaften in Auftrag geben, endet die Sache fatal. Das gilt auch und ganz besonders für den Nationalsozialismus.

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© 2005 Rudolf Öller, Bregenz