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STASTIK UND WAHRHEIT

Mit Statistiken kann man nichts beweisen. Man muss sie interpretieren um sie als Grundlage für eine Theorie verwenden zu können. Das Ergründen von Statistiken ist eine Wissenschaft, trotzdem glauben Zeitgenossen, die kaum ein Prozentzeichen von einem Schrägstrich unterscheiden können, Statistiken als heilige Wahrheit anbeten zu müssen.

Ein aktuelles Beispiel betrifft die PISA-Studie 2003. Österreich hat in der letzten Untersuchung eine etwas schlechtere Beurteilung erhalten als bei PISA 2000. Von einer „Katastrophe“ war da die Rede und von einem „Absturz“. Ein Ende dieser intellektuellen Bulimie ist vorläufig nicht in Sicht.

Die Größenordnungen der Ergebnisse kann man mit Hilfe eines Metermaßes darstellen, wie es in jedem Haushalt zum Schneidern oder Vermessen verwendet wird. Ein Millimeter entspricht dabei einem PISA-Punkt. Wir vergleichen beispielhaft die Punkte des Siegers mit jenen der drei großen deutschsprachigen Länder im Bereich der mathematischen Kompetenz. Finnland erreichte im Schnitt 544 Punkte, die Schweiz 527, Österreich 506 und Deutschland 503. Nun macht man einen Strich von ca. 80 cm Länge und markiert die Positionen. Deutschland liegt bei 50,3 cm, Österreich bei 50,6 cm, die Schweiz bei 52,7 cm und Finnland bei 54, 4 cm. Schlusslicht Mexiko liegt bei 38,5 cm. Man erkennt sofort die wahren Größenverhältnisse (im Bereich Mathematik) und bemerkt, dass die relativen Abstände geringer sind als sie in der öffentlichen Diskussion dargestellt wurden, wobei sich die statistischen Streuungen sogar überlappen. Weitere Zahlen (Lesekompetenz, Naturwissenschaften usw.) findet man in Publikationen, die man über das Internet beziehen kann.

Blickt man auf die einzelnen Schultypen, dann erweisen sich die österreichischen Gymnasien als Erfolgsmodell, knapp gefolgt von den berufsbildenden höheren Schulen. Die österreichischen Gymnasien schlugen alle anderen Schulen aller Länder in allen Bereichen, auch die der Siegerländer. Das ist keine Überraschung, denn Gymnasien pflegen seit Generationen ein hohes Bildungsniveau, was auch so bleiben muss. Vermutlich wegen mangelnder Lesekompetenz oberflächlich argumentierender Schwadroneure wurde dies bis heute übersehen.

Unser Schulsystem ist also nicht so schlecht, wie uns eine selbstquälerische Debatte weiszumachen versucht. Diskussionen über Bildungsreformen, vor allem in Rich-tung bessere Lesekompetenz, sollen daher differenziert geführt werden.

Wenn nach der nächsten PISA-Studie - was durchaus möglich erscheint - Korea oder Japan Sieger sein sollten, müssten wir jedenfalls keine unreflektiert lodernden Blicke nach Fernost werfen, so wie dies momentan in Richtung Finnland geschieht.

Reformbedürftige Schule
Nicht genügend!
Virtuelle Bildung
Schulweisheiten
Dumme Amerikaner?
Davon verstehen Sie nichts!
Bild der Wissenschaft

© 2005 Rudolf Öller, Bregenz