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DIE FARBEN DES TERRORS

Jedem der folgenden Sätze kann man eine Farbe zuordnen.
Der erste Satz ist schwarz: „Wenn er vielleicht nach Fällung des Urteils und schon an den Ort geführt, wo er verbrannt werden soll, sagt, er wolle die Wahrheit gestehen und seine Schuld anerkennen, und so tut und bereit ist, eine derartige … Ketzerei abzuschwören, so kann angenommen werden, dass er das mehr aus Todesfurcht als aus Wahrheitsliebe tut.“

Der zweite Satz ist rot: „… dass es nur ein Mittel gibt, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren. Nur ein Mittel - den revolutionären Terrorismus.“

Der dritte Satz ist braun: „Ich hatte einen schweren Stand mit meiner Auffassung, dass man diesem Kampf nicht ausweichen, sondern dass man ihm entgegentreten und sich deshalb diejenige Rüstung zulegen müsse, die allein den Schutz vor der Gewalt gewährt. Terror bricht man nicht durch Geist, sondern durch Terror.“

Der letzte Satz ist grün: „… jedoch auch ein physischer Kampf, durch den die Hindernisse auf dem rechten Pfad entfernt werden, wenn brutale Gewalt ihn zu verbauen oder zu zerstören droht. In diesem Kampf wird einem Unglück und auch Leiden widerfahren. Man wird sehr viel Geduld benötigen. Selbst in Zeiten des Sieges muss man Geduld aufbringen, und das ist vielleicht noch schwieriger. Nur wenn man all das durchgemacht hat, wird man standhaft und beharrlich, verfolgt den geraden Weg des Glaubens …“

Der erste schwarze Satz stammt aus „Maleus Maleficarum“ (Hexenhammer), einem Werk, das nach einer von Papst Innozenz VIII 1484 erlassenen Bulle verfasst wurde. Der zweite rote Satz ist von Karl Marx, den dritten braunen Satz findet man in Hitlers „Mein Kampf“ und den letzten grünen Satz schrieb der Ägypter Sayyid Qutb (sprich: Kutb), der - 1966 in Ägypten hingerichtet - als der geistige Vater des fanatischen Islamismus gilt.

Die Sätze sind Symbole der Gewalttätigkeit und Verblendung, die, wie unzählige ähnliche Sätze glauben machen, man müsse für eine vermeintliche Wahrheit erbarmungslos kämpfen und morden, bis diese den Endsieg erringe. Wenn uns die Wissenschaften eines gelehrt haben, dann die schlichte Tatsache, dass es keine Wahrheit gibt, für die es sich gewaltsam zu kämpfen lohnt. Vielleicht sollten am österreichischen Nationalfeiertag und am Tag der deutschen Einheit die saturierten und des Wohlstands überdrüssigen Bürger daran denken. Unsere Freiheit ist kein Geschenk für die Ewigkeit. Wer weiß, welche Farben die noch im Verborgenen lauernden Sätze haben. Gedanken von heute sind bekanntlich Taten von morgen.

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© 2004 Rudolf Öller, Bregenz