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Sommerthema 2004: DROGEN

Das menschliche Nervensystem hat bestimmte Eigenschaften, die man sich in der Medizin für Heilungszwecke zunutze machen kann. Innerhalb einer Nervenzelle wird das Signal mit Hilfe von Ionen - das sind elektrisch geladene Teilchen - weitergeleitet. Die dabei entstehenden elektrischen Spannungen sind so hoch, dass man sie noch an der Körperoberfläche messen kann. Diese Eigenschaft kommt beim Elektrokardiogramm (EKG) zur Anwendung. Zwischen den Nervenzellen gibt es schmale Übergangsstellen, die so genannten „Synapsen“. Hier erfolgt die Weitergabe des Reizes mittels chemischer Botenstoffe, den „Neurotransmittern“. Das sind die Stellen, an denen der Mensch eingreifen kann.

Für jeden Neurotransmitter gibt es bestimmte Andockstellen. Curare beispielsweise, das Pfeilgift südamerikanischer Indianer, besetzt an den Skelettmuskeln die Akzeptorstellen für Acetylcholin, ähnlich wie ein steckender falscher Schlüssel das Schloss für den richtigen Schlüssel versperrt. Deshalb können durch Curareeinwirkung die Befehle zur Kontraktion nicht mehr auf die Muskeln übertragen werden. Der Tod durch Stillstand von Atmung und Kreislauf ist die Folge. Die Blockierung der Synapsen ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die Weitergabe des Nervenreizes zu beeinflussen. Es gibt auch Stoffe, die den Transmittern ähnlich sind und auf diese Weise das Nervensystem täuschen. Die Droge LSD ist mit dem Nervenbotenstoff Serotonin chemisch verwandt, sie bewirkt beispielsweise Halluzinationen. Chlorpromazin, ein Beruhigungsmittel, ähnelt dem Dopamin. Nikotin ahmt wahrscheinlich den Botenstoff Acetylcholin nach.

Man kennt auch Drogen, die der Körper selbst herstellt, die so genannten „Endorphine“. Werden Schmerzen zum Gehirn gemeldet, wirken die Endorphine auf die Informationsübertragung an den Synapsen hemmend ein. Die Wirkung von Morphin und Heroin beruht teilweise darauf, dass sie die eigentlich für die Endorphine bestimmten Akzeptorstellen besetzen und besonders starke Reize auslösen.

Eine jahrelang andauernde Verharmlosung von Drogen, insbesondere von Alkohol und Cannabis, führte zu einer epidemischen Zunahme des Drogenkonsums in den Industrieländer. Ein Teil der Jugend säuft, „kifft“ und „dröhnt“ sich direkt hinein in eine Welt des Irrsinns und der Depressionen. Die diesjährige Sommerserie des „Scheinwerfers“ widmet sich daher dem Thema Drogen. Der Reihe nach werden in den nächsten Wochen Aufsätze über Morphin, Heroin, Kokain, Cannabis, Benzodiazepine (Valium), Ecstasy und LSD erscheinen. Die größten Killer kommen am Schluss an die Reihe: Alkohol und Nikotin.

Cannabis
Die Giftküche der Natur
Pharmazie
Heroin
Eine normale Nacht
Schizophrenie
Alkohol
Kranke Jugend
Volkskrankheit Depression
Seelennot
Spektrum der Wissenschaft

© 2004 Rudolf Öller, Bregenz