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WISSENSCHAFT IN DIE SCHULEN!

Angesichts des schlechten Abschneidens deutscher Schüler bei international vergleichenden Leistungsstudien in naturwissenschaftlichen Fächern hat der Verlag Spektrum der Wissenschaft gemeinsam mit der Wirtschaft die einzigartige Aktion „Wissenschaft in die Schulen!“ gestartet. Die Reaktionen in Deutschland waren durchwegs positiv. Über Dreihundert Schulen in ganz Deutschland mit Tausenden Schülern haben sich bisher für die Aktion angemeldet. Es werden noch Unternehmen als Sponsoren gesucht, die ihren Sitz in der Nähe der teilnehmenden Schulen haben. Eine Firma kann schon mit steuerlich absetzbaren 800 Euro pro Jahr eine Patenschaft für eine Schulklasse übernehmen.

Obwohl Österreich bei der letzten vergleichenden PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) in den naturwissenschaftlichen Fächern eindrucksvoll abgeschnitten hat, sollte eine vergleichbare Aktion auch hierzulande überlegt werden.

Der Grund für „Wissenschaft in die Schulen!“ ist die Angst vor einem ökonomischen Rückfall. Die wichtigste Grundlage für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes ist immer noch die wissenschaftliche und technologische Produktivität. Die Vernachlässigung von Naturwissenschaften und Technik in den Schulen ist der direkte Weg vom Wohlfahrtsstaat zum Entwicklungsland.

Es gibt aber noch einen weiteren und viel zuwenig beachteten Grund für die Förderung der Naturwissenschaften: Naturwissenschaftlich denkende Menschen sind großteils unempfindlich gegenüber jeder Form von Fanatismus. Hinter all den „Ologien“ wie Psychologie, Soziologie, Balneologie, Kynologie usw. lauert ein mächtiger und dunkler Tyrann: Die Ideologie. Genau diese aber hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Biologen, Physiker und Chemiker wissen, dass Wissenschaften aus Theorien bestehen, die nie abgeschlossen und endgültig sein können. Wissenschaft betreiben heißt nichts anderes als bestehende Theorien entweder zu widerlegen oder zu verbessern und gegenüber jedem Wahrheitsanspruch skeptisch zu sein. Es wäre sinnlos, für eine wissenschaftliche Theorie einen Kreuzzug zu veranstalten oder unschuldige Menschen wegen einer Hypothese zu ermorden. Die größten Verbrechen der Menschheit wurden stets im Namen abseitiger Ideologien - einschließlich Nationalismus und Marxismus - oder einer radikalen Religionsdeutung begangen.

Eine naturwissenschaftlich gebildete und denkende Jugend kann nicht nur unsere Welt besser verstehen. Sie wäre gegenüber fanatischen Tendenzen widerstandsfähig und mündig für eine postideologische Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Wissenschaft ist Macht
Miserere nobis!
Irrtümer mit Folgen
Glauben, gehorchen, kämpfen
Die offene Gesellschaft
Gottes auserwählte Völker
Dresscode
nature

© 2004 Rudolf Öller, Bregenz