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UNTAUGLICH

Wissenschafter hauen gelegentlich daneben, aber das liegt im Wesen der Sache. Manche Sparten der Wissenschaft leben eher vom Erraten als vom Erkennen der Wirklichkeit, und manchmal kann dieses Raten kabarettistische Züge annehmen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs benötigten die USA zusätzlich Soldaten für die Besatzungsarmeen in Europa. Die US-Army kratzte im Sommer 1945 alles zusammen, was sie bekommen konnte, und holte die jungen Männer zur Musterung. Auch ein gewisser Richard Feynman ging durch die medizinische Diagnosestraße um am Ende am Schreibtisch eines Psychiaters zu landen.

Nach anfänglich harmlosen Fragen wurde das Gesicht des Seelendoktors ernst: „Haben Sie das Gefühl, dass Leute Sie anstarren?“ Richard bemerkte, dass einige auf einer Bank wartende Burschen zu ihm herüberschauten. „Sicher“ meinte Richard, „da schauen gerade einige zu mir herüber.“ Der Psychiater blickte nicht auf und machte Notizen. Dann fragte er „Hören Sie manchmal Stimmen in Ihrem Kopf?“ „Sehr selten“ meinte Richard und wollte seine Antwort erläutern, da kam schon die nächste Frage. „Führen Sie Selbstgespräche?“ „Ja“, meinte Richard, wenn ich mich rasiere und nachdenke, kann das schon passieren.“ Der Psychiater notierte weiter und fuhr fort: „Wie ich sehe, ist Ihre Frau verstorben. Sprechen Sie manchmal mit ihr?“ Richard ärgerte sich wegen dieser Frage, blieb aber ruhig. „Wenn ich in den Bergen einsam wandere und an meine Frau denke, dann spreche ich manchmal mit ihr.“ Der Psychiater kritzelte in seinen Protokollen. „Ist irgendjemand aus Ihrer Familie in einer Nervenheilanstalt?“ fragte der Psychiater. „Yeah, eine Tante ist im Irrenhaus“. Nun wurde der Psychiater böse, weil ihn der Ausdruck „Irrenhaus“ nervte. Eine Zeitlang ging das Gespräch in dieser Art weiter.

Schließlich fragte der Psychiater: „Welchen Wert messen Sie dem Leben bei?“ Richard sagte spontan: „Vierundsechzig.“ Der Arzt verblüfft: „Warum haben Sie 'Vierundsechzig’ gesagt und nicht 'Dreiundsiebzig’?“ „Ganz einfach. Wenn ich nämlich 'Dreiundsiebzig’ gesagt hätte, hätten Sie mir die gleiche Frage gestellt.“ Damit war das Gespräch beendet. Als Richard seine Papiere heimlich durchblätterte, stand da zu lesen: 'Gehörhalluzinationen, glaubt, dass ihn die Leute anstarren, führt Selbstgespräche, spricht mit seiner verstorbenen Frau, Tante mütterlicherseits in der Nervenheilanstalt.’

Der spätere Professor und Nobelpreisträger Richard Feynman, Mitentwickler der Atombombe in Los Alamos und einer der brillantesten Physiker aller Zeiten, wurde daraufhin von der US-Army für geistig untauglich erklärt.

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© 2003 Rudolf Öller, Bregenz