zurück Übersicht weiter

GESPONSERTE FALSCHMELDUNGEN

Bücher über angebliche falsche wissenschaftliche Theorien verkaufen sich gut, weil man Verschwörungstheorien gerne Glauben schenkt. Die Relativitätstheorie von Albert Einstein ist angeblich falsch, und die Evolutionstheorie der Biologen eine Erfindung. Dergleichen Geschwätz wird alljährlich - meist im Sommer - kolportiert aber kaum noch beachtet. Andere Werke, wie etwa "Unterdrückte Erfindungen" stoßen mit der Meldung, dass wichtige Entdeckungen von dunklen Mächten unter Verschluss gehalten werden, schon eher auf Interesse.

Gemeingefährlich sind Pamphlete, in denen behauptet wird, dass das HI-Virus gar nicht existiere. Es handle sich bei Aids um eine umweltbedingte Immunschwäche. Nicht Viren verursachen Aids sondern Umweltgifte. Hart an der Grenze zur fahrlässigen Tötung liegen auch jene Bücher, die vor Impfschäden warnen. Viele verängstigte Mütter geben ihre Kinder nach Lektüre dieser Machwerke nicht zur Impfung, was prompt Menschenleben forderte: In Italien sind im Sommer die Masern - auch todbringend - neu erwacht.

Zweifelhafte Interessen gibt es also nicht nur in der Wirtschaft sondern leider auch auch in den Wissenschaften. Seit Beginn der Neunzigerjahre haben sich Manipulationen - insbesondere bei medizinisch-pharmazeutischen Publikationen - derart gehäuft, dass Fachzeitschriften die Notbremse ziehen mussten.

Das berühmte britische Journal "Nature" erwartet seit Herbst 2001 von seinen Autoren eine Offenlegung eventueller finanzieller Interessen. Autoren, die bei den "Nature"-Fachzeitschriften eine Veröffentlichung einreichen, müssen ein Formular über finanzielle Förderung ihrer Arbeit durch Dritte ausfüllen. Diese Information wird zusammen mit dem Artikel veröffentlicht. Falls sich Autoren weigern, Informationen über ihre privaten Geldgeber anzugeben, wird diese Weigerung mit abgedruckt. Gleichzeitig veröffentlichten mehrere medizinische Fachzeitschriften, darunter das "New England Journal of Medicine", "The Lancet", "Annals of Internal Medicine" und andere ein gemeinsames Editorial, in dem die wissenschaftliche Unabhängigkeit ihrer Autoren gefordert wird. Damit reagieren die Zeitschriften auf mehrere bekannt gewordene Fälle, bei denen pharmazeutische Unternehmen Forschungsarbeiten zu ihrem Vorteil beeinflusst und die Veröffentlichung von unliebsamen Ergebnissen verhindert hatten.

Investoren sollten also nicht jeder voreiligen Jubelmeldung über einen "Durchbruch" in der Wissenschaft Glauben schenken. Auf der Sponsorliste großer Firmen stehen nämlich nicht nur Rennfahrer oder Tennisspieler sondern auch Wissenschafter.

Blendwerk und Blamage
Geschwätzigkeit
Betrug in der Wissenschaft
Der Todeshund
Kauderwelsch
Alles ist möglich
Lügen mit Statistik
Geschönte Berichte
Hunde auf Sirius
Bild der Wissenschaft

© 2002 Rudolf Öller, Bregenz