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BLENDER UND BETRÜGER

Kenneth Lay hatte 1985 zwei texanische Gasfirmen zum Energieunternehmen "Enron" verschmolzen. Zehn Jahre später war Enron das siebtgrößte Unternehmen der USA und ein weltweit aktives Handelsunternehmen für Energieprodukte. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune" wählte Enron sechsmal zum innovativsten Unternehmen der USA. Nach jahrelangen Bilanzfälschungen ist Enron nun ruiniert.

Vor etwa zwei Jahren suchten die Partner des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungs-unternehmens Arthur Andersen einen neuen Chef. Joseph Berardino sollte dem Unternehmen helfen, wieder eine große Wirtschaftsprüferkanzlei zu werden. Berardino steuerte Andersen in den Ruin, als bekannt wurde, dass falsche Bilanzen erstellt worden waren. Andersens Mitarbeiter versuchten noch vergeblich, ihre Missetaten durch Vernichtung von Dokumenten zu verdecken.

Die Aktienempfehlungen des ehemaligen "Topanalysten" Jack Grubman waren Plunder. Das "Money Magazine" fragte: "Ist das der schlechteste Analyst aller Zeiten?" Henry Blodget von Merill Lynch, Bernie Ebbers von WorldCom, Gary Winnick von Global Crossing, Dennis Kozlowski von Tyco, Chuck Watson von Dynegy - die Liste der Aktientotengräber wurde im Laufe dieses Jahres immer länger. Die hintergangenen Investoren und die vielen Zocker, die Börsen mit Spielcasinos verwechselten, und die da glaubten, ein Unternehmen habe für die Aktienbesitzer Geld zu scheffeln statt Kundenwünsche zu befriedigen, verfluchen nun die Bilanzfälscher und Schwafelanalysten.

Die Betrugsanfälligkeit der modernen Wissenschaften blieb unterdessen fast unbeachtet. Technologieforschung benötigt viel Geld, daher muss man mit immer neuen Versprechungen Investoren anlocken. Doch auch in der Wissenschaft tauchen immer öfter Betrügereien und Falschmeldungen auf.

Im Sommer 2000 verkündete der amerikanische Genetikmogul Craig Venter, dass das menschliche Erbgut vollständig entschlüsselt sei. Heute wissen wir, dass zu viel versprochen wurde, und Wissenslücken groß wie Scheunentore klaffen. Das amerikanische Pharmaunternehmen VaxGen kündigte an, innerhalb von fünf Jahren einen Impfstoff gegen Aids zu entwickeln, doch dieses Ziel verfolgen viele Firmen schon seit 20 Jahren. Die Absicht allein verspricht noch gar nichts.

Manchmal ist die Aufdeckung wissenschaftlichen Betrugs reine Glückssache. Bereits zum zweiten Mal in seiner Geschichte hat das "New England Journal of Medicine" einen bereits veröffentlichten Beitrag widerrufen. In einer Studie einer italienischen Universität war ein manipuliertes Bild einer mikroskopischen Aufnahme des HI-Virus publiziert worden. Die Fälschung war nur durch Zufall entdeckt worden.

Blendwerk und Blamage
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Geschönte Berichte
Bild der Wissenschaft

© 2002 Rudolf Öller, Bregenz