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PISA 2001

Die internationale Schulleistungsstudie "PISA" (Programme for International Student Assessment) ist ein Projekt der OECD (Organization for Economic Cooperation and Development). Ziel des Programms ist es, die Fähigkeiten von Jugendlichen mit wissenschaftlichen Methoden vergleichend zu messen. Dabei kommt es weniger auf lexikales Wissen an, sondern auf die Wirkkraft der Schulbildung. PISA umfasst drei Zyklen. Die Resultate des ersten Zyklus wurden kürzlich veröffentlicht. Zigtausende Schüler in 31 Nationen waren mit einheitlichen Methoden in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften getestet worden. Die Schüler hatten die Aufgabe, einfache Texte inhaltlich wieder zu geben (also zu verstehen), einfache mathematische Aufgaben zu lösen und naturwissenschaftliche Fragen mit Sachverstand zu bearbeiten.

Die ersten Resultate waren verblüffend. Die deutschsprachigen Länder seien hier erwähnt. Bereich Lesekompetenz: 10) Österreich, 17) Schweiz, 21) Deutschland; Bereich Mathematik: 7) Schweiz, 11) Österreich, 20) Deutschland; Bereich Naturwissenschaften: 8) Österreich, 18) Schweiz, 20) Deutschland. In der Gesamtwertung schaffte Österreich einen Platz unter den ersten Zehn, Deutschland unter den letzten Zehn.

Die Resultate wirkten in Deutschland wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Das Donnergrollen nach diesem Blitzschlag hält immer noch an, vor allem auch deshalb, weil in Deutschland die Bildungspolitik Ländersache ist und Bayern als einziges deutsches Bundesland an das österreichische Bildungsniveau herankommt. Bildung wird daher vor den deutschen Bundestagswahlen 2002 das Wahlkampfthema Nummer eins sein. Wie dramatisch die tatsächliche Situation ist, offenbaren Detailergebnisse. In Österreich zeigen weniger als 5 Prozent der Schüler niedrigste Lesekompetenz, in Deutschland sind es rund 10 Prozent.

Deutschland wird die Resultate analysieren, die Ärmel hochkrempeln und seine Bildungspolitik verbessern müssen. In Österreich war - von einigen wenigen Zeitungsartikeln abgesehen - über die einigermaßen erfreulichen PISA-Resultate eher wenig zu hören. Worüber man nicht schimpfen kann, berichtet man offenbar nicht gerne. Bildungspolitik muss - unabhängig von der Qualität der Schulen - ständig nachgebessert werden. In einer sich wandelnden Welt wäre es falsch, sich auf Erfolgen auszuruhen. Wie sagte einst der Philosoph Machiavelli so schön? "Es ist unmöglich, einen Mann, dem durch sein Verfahren viel geglückt ist, zu überzeugen, er könne gut daran tun, anders zu verfahren. Daher kommt es, dass das Glück des Mannes wechselt: Denn die Zeiten wechseln, er aber wechselt nicht sein Verfahren."

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© 2002 Rudolf Öller, Bregenz