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GOLDHAUBE

Es ist ein alter Volksbrauch, das österreichische Bundesheer zu kritisieren - vor allem in Zeiten größerer Anschaffungen. Diesbezügliche Stammtischgespräche laufen manchmal nach dem Motto ab: "wir haben alles außer den Durchblick". Ausnahmsweise sei daher eine technisch hochwertige Einrichtung unseres Militärs beschrieben.

Österreich verfügt über ein Radarsystem der Spitzenklasse. Als vor wenigen Jahren die NATO ihre Luftschläge gegen Serbien durchführte, verfolgte unser Bundesheer rund um die Uhr jede Flugbewegung am Balkan. Dies wurde durch das Luftraumüberwachungssystem "Goldhaube" ermöglicht, das Flugobjekte auch dann erfasst, wenn sie sich mehrere hundert Kilometer von Österreich entfernt bewegen. Die Goldhaube besteht aus drei großen ortsfesten Stationen (Kolomansberg bei Mondsee, Speikkogel auf der Koralpe und Steinmandl im Weinviertel) und mehreren mobilen Anlagen. Ergänzt wird das System durch ein Zielzuweisungsradar für die Fliegerabwehrrakete "Mistral".

Alle Informationen der Goldhaube laufen in der Einsatzzentrale in St. Johann im Pongau und in Wien zusammen. Goldhaube ist zudem mit der zivilen Luftraumüberwachung "Austro Control" vernetzt, wobei zwei Verfahren zum Einsatz kommen, das Primär- und das Sekundärradar. Austro Control stützt sich auf das Sekundärradar, bei dem die Erkennung eines Flugobjektes am Radarschirm nur mit einem eingeschalteten Transponder ("transmitter und responder") möglich ist. Wenn Piloten - wie beispielsweise Terroristen - ihre Transponder ausschalten, verschwindet die entsprechende Maschine von den Sekundär-Radarschirmen. In diesem Fall übernimmt die militärische Luftraumüberwachung mit ihrem Primärradar die Kontrolle. Das System Goldhaube ortet jedes Objekt am Himmel und kann Höhe, Geschwindigkeit, Richtung und Entfernung exakt feststellen. Kommt keine Funkverbindung zum Piloten zustande, wird ein "Priorität Alpha-Fall" ausgelöst.

Durch die computergestützte Radarauswertung der Goldhaube können Jagdflugzeuge starten, lange bevor das verdächtige Flugzeug unseren Luftraum erreicht hat. Je nach Schwere des Vorfalls wird das fremde Flugzeug identifiziert oder zum Landen gezwungen. In besonders schwerwiegenden Fällen wäre ein Waffengebrauch möglich.

Der Luftverkehr über dem kleinen Österreich ist enorm. Täglich durchqueren rund 2200 Flugzeuge unseren Luftraum, darunter etwa 50 Militärmaschinen. Seit den Terroranschlägen vom September 2001 und den Terrorwarnungen der letzten Wochen arbeitet unsere Goldhaube mit vermehrter Leistung. Wachsamkeit in kritischen Zeiten war noch nie ein Fehler.

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© 2002 Rudolf Öller, Bregenz