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ZU VIEL FORSCHUNG?

Zu Ostern brachten einige Agenturen eine Meldung, die wegen des Terrors in Israel und im Westjordanland kaum wahrgenommen wurde: "Tokio: Ein japanischer Regierungsausschuss hat dem Plan eines Forschungsteams, embryonale Stammzellen für Forschungszwecke zu gewinnen, zugestimmt." Heftige Proteste hagelte es hingegen nach der Ankündigung des italienischen Arztes Severino Antinori, dass eine von ihm behandelte Frau mit einem Klon-Baby in der achten Woche schwanger sei. Diese Nachricht hat weltweit für Entrüstung gesorgt.

Die Entwicklung der modernen Biologie wird teils mit Optimismus teils mit Sorge verfolgt. Eine Broschüre der Aktion Leben "Wie viel Forschung verträgt der Mensch?" beschäftigt sich mit den neuen technischen Aspekten der menschlichen Fortpflanzung. Im Vorwort wird ein Dominostein-Effekt beklagt: Zuerst die gesetzliche Freigabe der Abtreibung, dann die künstliche Befruchtung, dann die Präimplantationsdiagnostik und schließlich die Stammzellenforschung und der geklonte Mensch. Wohin geht diese abenteuerliche Reise?

Wie viel Forschung verträgt also der Mensch? Steckt hinter der Forschung wirklich nur Großfinanz und Selbstgefälligkeit? Muss man Forschung begrenzen um die Würde des Lebens zu bewahren? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass eine Begrenzung der Forschung schon deshalb unmöglich ist, weil die meisten bedeutenden Entdeckungen zufällig gemacht wurden.

Konrad Röntgen experimentierte 1895 mit "Kathodenstrahlen", dabei entdeckte er zufällig die Röntgenstrahlung. Ein Jahr später ließ der Pariser Physiker Henri Becquerel ein Stück Uranerz auf einer Fotoplatte liegen und fand nach ihrer Entwicklung einen unscharfen Fleck. So wurde die Radioaktivität entdeckt. Jahre später beschoss Ernest Rutherford eine dünne Goldfolie mit radioaktiven Strahlen und fand den Atomkern. Als Werner Arber in Basel wissen wollte, warum manche Bakterien sich nicht mit Viren infizieren lassen, fand er Enzyme, die Gene zerschneiden können. Diese zufällige Entdeckung begründete die moderne Gentechnik. Die elektrische Induktion mit ihren Anwendungen bei Generatoren, Transformatoren usw., aber auch Medikamente wie das Penizillin wurden in der Grundlagenforschung zufällig entdeckt.

Die Frage, wie viel Forschung der Mensch verträgt, ist gut gemeint, aber leider falsch gestellt. Praktische Anwendungen der Wissenschaften, wie etwa Nutzung der Kernenergie, Chemikalienproduktion, Erzeugung von Klonen usw., dürfen und müssen geregelt werden. Eine Beschränkung der wissenschaftlichen Forschung ist jedoch nicht machbar und daher pure Illusion.

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© 2002 Rudolf Öller, Bregenz