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GESCHÖNTE BERICHTE

Geschönte Berichte und gefälschte Statistiken haben den gewaltigen US-Konzern "Enron" zu Boden gerissen und der deutschen Bundesanstalt für Arbeit Hohn und Spott eingetragen. Auch die NASA hat es einmal erwischt. Am 28. Jänner 1986 startete das Raumschiff "Challenger" bei eisigen Temperaturen von Cape Canaveral und explodierte kurz darauf, was den mitfliegenden Astronauten das Leben kostete. Wenige Tage später wurde eine Kommission gegründet. Die Gruppe sollte unter der Leitung des ehemaligen Außenministers William Rogers die Unglücksursache finden.

Ein Kommissionsmitglied, Nobelpreisträger Richard Feynman, zog sich bald den Missmut einiger Leute zu, weil er weniger mit leitenden Managern als mit Ingenieuren in den Werkstätten sprach, doch dieses Schnüffeln an der Basis war letztlich ergiebig. Ein couragiertes Mitglied der Untersuchungskommission - ein General des Pentagon - erzählte Feynman bei Gelegenheit, er habe am Vergaser seines Autos bemerkt, dass Gummidichtungen bei niederen Temperaturen ihre Elastizität verlören, was bei einem Raketenstart bei Minusgraden zu Problemen führen könne. Feynman hörte dies mit Interesse, besorgte sich das Dichtungsmaterial und tauchte es vor den Augen der verdutzten Kommission minutenlang in Eiswasser, worauf sich der Gummi tatsächlich in eine harte Masse verwandelte.

Damit war klar geworden: Beim Start des Raumschiffes Challenger wölbte sich der Mantel der Feststoffraketen durch Druck etwas nach außen. Die an jenem eiskalten Jännertag hart gewordenen Dichtungsringe konnten die so entstehenden kleinen Öffnungen zwischen den Raketensegmenten nicht mehr gänzlich schließen. Ausströmender Treibstoff entzündete sich und brannte ein Loch in den großen Zentraltank, was schließlich zur Explosion führte.

Die Wahrheit war durch eine Umgehung des Dienstweges ans Tageslicht gebracht worden. Techniker der NASA hatten längst bemerkt, dass bei niederen Temperaturen die Dichtungsringe der Feststoffraketen versagten. Da aber NASA-Berichte - so wie überall - den Dienstweg gehen müssen, und unerfreuliche Meldungen - so wie überall - die Karriere mittlerer und höherer Manager gefährden können, werden heikle Details auf dem Weg nach oben - so wie überall - weggefiltert. Dem General waren die technischen Mängel zu Ohren gekommen, worauf er die Geschichte mit dem Vergaser erfand, um die ehrlichen aber frustrierten Techniker in den Labors zu schützen.

Man erkennt, dass offizielle Berichte dann glaubhaft sind, wenn klare Worte von echten Experten hinreichend berücksichtigt werden. Schönfärberei gehört leider zum Alltagsgeschäft in Wirtschaft und Politik, mitunter auch in Wissenschaft und Technik.

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© 2002 Rudolf Öller, Bregenz