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DAS ELEND DER POSTMODENE

Die amerikanische Zeitschrift "Social Text" brachte im Frühjahr 1996 den Aufsatz "Die Grenzen überschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation." Dieses vom Amerikaner Alan Sokal geschriebene Essay war ein Frontalangriff auf die Wissenschaften. Man findet darin Sätze wie etwa: "Die Lehre von Wissenschaft und Mathematik ist von ihrem autoritären und elitären Charakter zu befreien, und der Inhalt der Fächer muss durch das Einbeziehen der Erkenntnisse der feministischen, schwulen, multikulturellen und ökologischen Kritik bereichert werden." An anderer Stelle ist von einer "Geschlechterkodierung in der Hydromechanik" und anderem Unfug die Rede.

Der Artikel wurde von amerikanischen Kulturwissenschaftern mit Interesse aufgenommen und in angesehenen Zeitschriften diskutiert, obwohl es sich um eine Abfolge inhaltsloser Behauptungen handelte. Sokal sah dem Treiben eine Zeitlang zu, dann verkündete er sinngemäß, dass sein Aufsatz eine Parodie der Postmoderne sei um deren Phrasendrescher vorzuführen. Zunächst folgte betretenes Schweigen, dann hagelte es Vorwürfe. Sokal, so hieß es, sei unfair. Nicht die postmodernen Autoren sind Schwätzer, sondern er selbst hätte den Artikel produziert. Dass besagter Unsinns-Artikel auf breite Zustimmung gestoßen war, wurde dabei schlicht übergangen.

Die "Postmoderne" ist ein nebulöser Begriff für Zeitgeistströmungen nach den Sechzigerjahren und stellt eine Richtung der Kulturtheorie dar. Sie lehnt das Innovationsstreben der Moderne ab, diffamiert diese als mechanisiert und bürgerlich und predigt einen "kulturellen Relativismus". Grenzen zwischen Kitsch, Massenkultur und elitärem Kunstbetrieb werden absichtlich verwischt. Ein Beispiel dafür ist der Pop-Art-Epigone und Sex-Harlekin Jeff Koons.

Sokal hat die Kritik an seiner Parodie aufgegriffen und mit dem Buch "Eleganter Unsinn - wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaft missbrauchen" geantwortet. Bei Autoren wie dem Psychoanalytiker Jacques Lacan, der Literaturkritikerin Julia Kristeva, dem Philosophen und Architekten Paul Virilio, dem Philosophen Gilles Deleuze und anderen werden gravierende Fehler in ihren Schriften blossgelegt.

Der wunde Punkt postmoderner Autoren liegt in ihrer schlampigen Kritik wissenschaftlicher und politischer Themen, auf deren Inhalte sie nur oberflächlich, dafür beladen mit Unmengen an Fremdwörtern und Vorurteilen, eingehen. Wegen Eindruck schindender und Plattheit kaschierender Wortwolken und einer zunehmenden Morbidität wird die Postmoderne als Inbegriff der intellektuellen Nullnummer in den Wissenschaften nicht mehr ernst genommen.

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© 2001 Rudolf Öller, Bregenz