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Irrtümer: TROFIM LYSENKO

Die Naturwissenschaften waren den Mächtigen immer dann ein Dorn im Auge, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse ihren Ideologien und somit ihrem Machtinstrument im Wege standen. Naturwissenschaften bestehen aus Theorien, die man aus Beobachtungen gewinnt. Theorien können richtig oder falsch sein, wenn ihnen jedoch zahlreiche Befunde zugrunde liegen, sind sie den Ideologien überlegen.

Überall dort, wo es um Ideologie und Macht geht, bleibt die Humanität auf der Strecke. Es ist sinnlos, nationalsozialistische gegen leninistisch-stalinistische Opfer aufzurechnen. Beide Systeme waren menschenverachtend, in beiden Systemen war der Mord als Mittel zum Zweck üblich, beide Systeme waren wissenschaftsfeindlich. Sowohl Nazis als auch Kommunisten haben Teile der Wissenschaften massiv geknebelt. Was Philip Lenard bei den Nazis war, das war Trofim Lysenko (auch: "Lyssenko") im Kommunismus des Josef Stalin.

Die meisten naturwissenschaftlichen Lehrbücher der kommunistischen Länder erscheinen lächerlich. Ein nicht unwesentlicher Teil der Werke - meist sind es Biologie- und Physikbücher - wird dazu verwendet, dem erstaunten Leser zu erklären, warum dieses oder jenes Kapitel mit dem Marxismus-Leninismus übereinstimme, bei anderen Kapiteln aber eine Angleichung der Theorien noch fehle. Das ist Narretei, denn eine wissenschaftliche Theorie wird hier erst dann akzeptiert, wenn sie an eine (unwissenschaftliche) Ideologie angeglichen worden ist.

Der sowjetische Biologe und Wissenschaftsfälscher Trofim Lysenko vertrat die Auffassung, dass die Entstehung neuer Erbeigenschaften gezielt gesteuert werden könne. Daher sei auch die kommunistische Prägung eines Menschen erblich, und der Weg zum Kommunismus ein biologisches Naturgesetz. Die Mendelschen Erbgesetze widersprachen nach Auffassung Lysenkos dem Marxismus-Leninismus, darum wurden Mendels Theorien von den kommunistischen Behörden aus den Büchern verbannt. Die Genetik hatte sich der herrschenden Ideologie unterzuordnen. Lysenko beließ es nicht bei der Verkündigung seiner falschen Lehre. Er ließ viele Kollegen von Stalins Agenten ermorden, die sich seinem Wahn nicht fügen wollten.

Das Resultat war vorauszusehen: Die sowjetischen biologischen Wissenschaften brachen zusammen und haben sich bis heute nicht gänzlich vom Lysenkoismus erholt. Trofim Lysenko hat nicht nur enormen Schaden an der russischen Wissenschaft angerichtet. Er hat auch die Menschenrechte derart mit Füßen getreten, dass er im Standardwerk "Schwarzbuch des Kommunismus" gleich viermal erwähnt wird. Lysenko starb vor 25 Jahren, im November 1976.

Ideologien
Gottes auserwählte Völker
Der neue Mensch
Missbrauch der Wissenschaft
Philipp Lenard
Das Euthansieschloss
Marxismus

© 2001 Rudolf Öller, Bregenz