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FORSCHUNG IM LÄNDLE

Kürzlich geisterte ein seltsam anmutender Witz durch die einschlägigen Internet-Seiten: "Amerikanische Wissenschafter an einer berühmten Universität haben eine sensationelle Entdeckung gemacht: Regelmäßiges Atmen kann den Erstickungstod verhindern." Was zunächst albern anmutet, ist ein hämischer Scherz über den Brauch, alles als hochwertig einzuschätzen, was aus Amerika kommt. Das dumme Sprichwort "Mit dem ist's nicht weit her" besagt ja schon, dass geringe Entfernung mit geringer Qualität gleichzusetzen ist.

Die "Ticker" - das sind regelmäßig erscheinende Kurznachrichten im Internet - berichteten in den letzten Tagen über kalifornische Ärzte, die eine neues Wasserskalpell entwickelt hätten, über eine Studie des Medical Center of Cincinnati, wonach ein Typ von Allergien mit bestimmten Zellen in Verbindung gebracht werden kann oder - man lese und staune -, dass regelmäßiges Spazierengehen schlank machen kann. In letzterem Fall waren es englische und holländische Forscher, die diese "Sensation" entdeckt hatten. Bei genauer Betrachtung der Meldungen findet man vorwiegend amerikanische aber auch englische Universitäten.

Die häufige Erwähnung der amerikanischen Medizin kommt von einer ausgefeilten Werbestrategie. Die amerikanische Forschung wird großteils privat finanziert, also agiert man nach dem Motto: "Erforsche irgendetwas, rede laut darüber und versprich eine Sensation." Ein Argument für den Glauben an die US-Medizin liefert zudem deren Technik. Die Amerikaner bauen Mikroprozessoren, Raketen und Raumsonden, also haben sie mutmaßlich auch die besseren Ärzte.

In Wahrheit liegt die medizinische Forschung in Österreich weltweit im Spitzenfeld. Diese Feststellung wertet andere Länder nicht ab, aber die oft einseitige Berichterstattung ist irreführend. Wir sind besser als wir glauben.

"Experten des Royal Marsden Hospital haben erfolgreich eine neue Behandlungsmethode angewendet, die bei Krebs-Patienten die Amputation von Gliedmaßen verhindern kann" hieß es am 28. März in einem medizinischen News-Ticker. Was hier neu und erfreulich klingt, wird beispielsweise am Landeskrankenhaus Feldkirch längst praktiziert. Dort hat unter anderem die Krebstherapie einen Standard erreicht, von dem andere Häuser nur träumen können. Auch gibt es am Krankenhaus Feldkirch ein Forschungsinstitut namens "VIVIT" (Institut für vaskuläre Forschung). Dieses Institut betreibt medizinische Gefäßforschung auf hohem Niveau. Wissenschaft wird also nicht nur "weit weg" oder an renommierten Universitäten betrieben. Meist liegt gute wissenschaftliche Qualität sehr nahe, wie das Beispiel Feldkirch zeigt.

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Kranke Jugend
Bild der Wissenschaft

© 2001 Rudolf Öller, Bregenz