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MEISTER MIT FEHLERN

In der Schule lernen wir Theorien, Entdeckungen und Erfindungen der großen Frauen und Männer, aber wir hören kaum etwas davon, dass es sich um geistvolle Menschen handelte, die mitunter Fehler machten.

Der Satz von Pythagoras geht an keinem Schüler vorüber. Pythagoras war ein Philosoph und Mathematiker und lebte im 6. Jahrhundert vor Christus. Er bewies den Lehrsatz, wonach die Quadrate, die man über den kürzeren Seiten eines rechtwinkeligen Dreiecks errichtet, in Summe gleich groß sind wie das Quadrat über der längsten Seite.
Schüler kennen den Lehrsatz als a2 + b2 = c2.

Pythagoras war von der Harmonie der Zahlen überzeugt, daher verneinte er die Existenz irrationaler Zahlen. Es handelt sich dabei um Zahlen, die man nicht mit Brüchen darstellen kann, und die unendlich viele Stellen hinter dem Komma aufweisen. Als Pythagoras' Schüler Hippasus die Existenz irrationaler Zahlen beweisen konnte, war Pythagoras so wütend, dass er Hippasus töten ließ.

Isaac Newton (1642-1727) lieferte mit seinen "Philosophiae naturalis principia mathematica" eine der brillantesten wissenschaftlichen Arbeiten aller Zeiten. Newton betonte stets, keine Hirngespinste zu produzieren. "Hypotheses non fingo" sagte er und meinte damit, dass seinen Ideen exakte Beobachtungen zugrunde liegen. Dessen ungeachtet unterlief ihm ein Fehler, als er die Existenz eines absoluten ruhenden Raumes annahm, in dem sich kleinere Teilräume wie Planeten, Monde oder Schiffe bewegten. Albert Einstein wies zweihundert Jahre später nach, dass es absolute Räume gar nicht geben kann.

Einstein (1879-1955) irrte sich mehrfach. Obwohl Einstein die Quantenphysik mitbegründet hatte, distanzierte er sich später von einigen ihrer Theorien und verwickelte den dänischen Quantenphysiker und Nobelpreisträger Niels Bohr (1885-1962) in Streitgespräche, bei denen Einstein von Bohr geradezu vorgeführt wurde.

Es gab Großmeister, die neben ihren unbestrittenen Leistungen Fehler geradewegs am Fließband produzierten. Einer dieser Männer war Aristoteles (384-322 v. Chr.), der zu den grandiosen Denkern des Abendlandes gezählt wird. In seinen naturwissenschaftlichen Schriften finden sich unzählige Fehlbeobachtungen und Fehlschlüsse, und wenn Aristoteles etwas nicht passte, dann forderte er dessen Abschaffung. Die Zahl Null, die bei den griechischen Mathematikern bereits in Verwendung war, sollte laut Aristoteles aus unerfindlichen Gründen verboten werden.

Es wäre simpel, über die Fehler hervorragender Menschen aus purer Schadenfreude zu lachen. Die Gewissheit aber, dass alle Menschen in Fehlerfallen tappen können, hat zumindest etwas Tröstliches an sich.

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© 2001 Rudolf Öller, Bregenz