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RESISTENZ

"Antibiotika" kommt aus dem Griechischen (anti = gegen, biotikos = zum Leben gehörig). Das Wort bezeichnet ein Mittel, das sich gegen Leben richtet. Antibiotika im wissenschaftlichen Sinne sind chemische Verbindungen, die von Bakterien, Pilzen, Flechten, oder anderer Lebewesen produzierte werden, und die zur Bekämpfung infektiöser Organismen eingesetzt werden. Der Hauptvorteil aller Antibiotika liegt darin, dass sie selektiv gegen ganz bestimmte Mikroben wirken. Penicillin und Streptomycin sind die bekanntesten Antibiotika. Sie wurden zur Bekämpfung vieler Infektionskrankheiten eingesetzt, wie etwa gegen Angina, Tetanus, Scharlach oder Tuberkulose.

Bakterien unterscheiden sich in ihrem Aufbau kaum voneinander, sie zeigen aber unterschiedliche natürliche Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen bestimmte Gifte. Bakterien lassen sich relativ leicht züchten. Gibt man zu ihrer Nährlösung ein Antibiotikum, so sterben die meisten Bakterien ab, aber die resistenten überleben und vermehren sich. Auf diese Weise kann man antibiotika-resistente Stämme züchten. Ein jahrelanger und unkontrollierter Gerbrauch von Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft bewirkt nun genau diesen Effekt bei Bakterien, die bei Menschen Krankheiten verursachen.

Vor einem Monat meldeten Nachrichtenagenturen, dass US-Viehzüchter laut einer neuen Studie zuviel Antibiotika verfüttern und damit die öffentlich Gesundheit gefährden. Eine Gruppe von US-Wissenschaftern hatte mitgeteilt, dass gesunde amerikanische Kühe, Schweine, Truthähne und Hühner jährlich 11,2 Millionen Kilogramm Antibiotika ins Futter bekämen. Das sei sehr viel mehr, als von der Industrie zugegeben wird. Die Amerikaner selber nehmen insgesamt "nur" 1,3 Millionen Kilogramm Antibiotika als Medikament zu sich. Biologen wiesen darauf hin, dass die Gefahr massiver Resistenzbildungen damit größer sei als ursprünglich angenommen.

Österreichische Nachrichtenmagazine haben über den "Schweinemastskandal" berichtet und in grotesker Übertreibung unser Land zum Zentrum vergifteter Nahrungsmittel hochgejammert. Der Antibiotika-Missbrauch ist gewiss ein gefährlicher Unfug aber leider ein weltweites Problem. Kranke Tiere brauchen Medikamente, aber das tonnenweise Verfüttern von Medikamenten in einer unnatürlichen Massentierhaltung ist unverantwortlich.

Einer der führenden Mikrobiologen, der Spanier Fernando Baquero, meinte kürzlich, dass die Industrieländer den Kampf gegen die Bakterien nie gewinnen würden, die Wissenschaft müsse ewig weiterkämpfen. Dies bedeutet, dass wir den Krieg gegen die Bakterien sogar verlieren könnten, wenn nicht Vernunft einkehrt.

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© 2001 Rudolf Öller, Bregenz