zurück blättern Übersicht 2001 vorwärts blättern

ANTIBIOTIKA

Die erste Beobachtung einer antibiotischen Wirkung - gemeint ist die Wirkung gegen Krankheitskeime - machte der französische Chemiker Louis Pasteur im 19. Jahrhundert. Er entdeckte, dass bestimmte fäulniserregende Bakterien Milzbrandbakterien abtöten können. Vor hundert Jahren isolierte der deutsche Biologe Rudolf von Emmerich den antibiotischen Stoff "Pyocyan", der die Erreger von Cholera und Diphtherie abtötete. Für die Heilung dieser Krankheiten war Pyocyan allerdings nicht geeignet.

Zur gleichen Zeit begann der deutsche Arzt und Chemiker Paul Ehrlich mit Chemikalien zu experimentieren, die infektiöse Organismen, nicht jedoch Patienten, angreifen sollten. Seine Versuche führten 1909 zur Entwicklung von Salvarsan. Dieses Mittel zeigte eine Wirkung gegen Bakterien, die Syphilis verursachen. In den zwanziger Jahren fand Alexander Fleming, der später auch das Penicillin entdeckte, dass Körperausscheidungen wie Tränen oder Schweiß das Enzym "Lysozym" enthielten, das vor allem gegen Bakterien wirkt.

Penicillin ist das bekannteste Antibiotikum. Es wird vom Schimmelpilz "Penicillium notatum" und seinen verwandten Arten produziert. Penicillin wurde von Fleming zufällig entdeckt, als er beobachtete, dass bei der Zucht von Penicillium notatum benachbarte Bakterien im Wachstum gehemmt wurden. Fleming konnte zeigen, dass die Wirkung auf einen vom Pilz produzierten Stoff zurückzuführen ist, den er "Penicillin" nannte. Später erkannte man, dass Penicillin gegen eine Vielzahl von bakteriellen Krankheiten wirkt. Heute sind viele antibiotische Wirkstoffe bekannt, wie etwa Tetracyclin oder Chloramphenicol.

Wenn Antibiotika unkontrolliert verabreicht werden, entwickeln Bakterien Abwehrmechanismen. Einer der häufigsten Abwehrmechanismen ist die Inaktivierung des Antibiotikums. Eine andere Abwehr der Bakterien ist die Anhäufung resistenter (immuner) Stämme. Diese Form der Resistenz gegen Antibiotika wird vom Bakterium auf seine Nachkommen vererbt und ist besonders gefährlich. In den siebziger Jahren war Tuberkulose in den Industrieländern nahezu ausgerottet. Derzeit steigt die Häufigkeit der Tuberkulosefälle weltweit wieder an, weil die Tuberkelbazillen gegen Antibiotika immer unempfindlicher werden.

Das unbekümmerte Spritzen von Antibiotika in der Landwirtschaft hat zur Bildung resistenter Bakterienstämme beigetragen. Wenn die Massenanwendung von Medikamenten in der Tierzucht nicht deutlich eingeschränkt wird, dann werden wir Probleme bekommen: Krankheitserreger, gegen die es keine wirkungsvollen Medikamente mehr gibt, könnten schon bald verschwunden geglaubte Seuchen auferstehen lassen.

Der Blutdruck
Milchsäure im Obrschenkel
Die Seuchen kommen
Morbilli ante portas
Bild der Wissenschaft

© 2001 Rudolf Öller, Bregenz