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DER BLUTDRUCK

Wenn der Hausarzt einen kummervollen Blick auf das Blutdruckmessgerät wirft und geheimnisvolle Worte wie „hundertsiebzig zu hundert“ murmelt, dann ist Handlungsbedarf gegeben. Hoher Blutdruck, das ist allgemein bekannt, ist die Ursache für lebensgefährliche Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Hirnschlag. Klettert der obere Wert dauerhaft über 150 oder der untere über 100, dann rät der Arzt zunächst zu einer Änderung der Lebensgewohnheiten wie etwa Verzicht auf Zigaretten, zu viel Alkohol, zu fettes Essen oder unnötigen Stress. Wenn dies nichts nützt, müssen Medikamente verschrieben werden.

Wir Menschen gehen aufrecht. Unser Herz muss daher einen gewissen Druck ausüben, um das Blut im Körper gleichmäßig zu verteilen. Dieser Druck sollte bestimmte Werte nicht über- oder unterschreiten. Bei der Messung des Blutdrucks handelt es sich um die Messung des arteriellen Drucks, also in den Gefäßen, die vom Herzen wegführen. Beim üblichen (indirekten) Messverfahren wird eine aufblasbare Gummimanschette an den Oberarm angelegt, die mit einem Druckmessgerät versehen ist. Die Manschette wird so lange aufgepumpt, bis die Arterie soweit zusammengedrückt ist, dass der Puls im Stethoskop nicht mehr gehört wird. Daraufhin wird der Manschettendruck langsam erniedrigt. Sobald der Manschettendruck die Höhe des „systolischen“ (oberen) Blutdrucks erreicht, kann dieser mit einem Stethoskop nachgewiesen werden: man hört das Pochen des Pulses. Der auf der Druckskala abgelesene Druck entspricht dann dem oberen Blutdruck, der bei gesunden Erwachsenen 110-150 mm Quecksilbersäule haben sollte. Die Hauptkammern im Herz sind in diesem Moment kontrahiert.

Der untere, bei maximaler Herzausdehnung herrschende „diastolische“ Blutdruck (bei gesunden Erwachsenen 75-95 mm Quecksilbersäule) kann ebenfalls mit dem Stethoskops ermittelt werden. Man reduziert die Einschnürung der Arterie durch die Manschette. Das pochende Geräusch, das infolge des schubweisen Strömens des Blutes durch den Engpass entsteht, nimmt dadurch immer weiter ab. Es geht in ein gedämpftes Rauschen über, sobald der Manschettendruck die Höhe des diastolischen Blutdrucks erreicht.

Die Messung des Drucks in „Höhe der Quecksilbersäule“ geht auf den Italiener Evangelista Torricelli (1608-1647) zurück. Unser Herz könnte demnach Quecksilber etwa 110 bis 150 Millimeter hoch drücken. Das erscheint dürftig, aber Quecksilber ist sehr schwer. Seine Dichte ist mehr als dreizehn mal so groß wie die des Blutes. Die Messung des Blutdruckes geht ebenfalls auf einen Italiener zurück, den Arzt Scipione Riva-Rocci (1863-1937). Seither wird der gemessene Blutdruckwert mit der Abkürzung „RR“ angegeben.

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© 2001 Rudolf Öller, Bregenz