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DIE FRUCHTBARKEITSKRISE

Die letzte Tankerkatastrophe vor der französischen Küste schreckte die Bevölkerung kurz auf. „Styrol“ sei da ins Meer geronnen, hieß es. Styrol ist eine krebserregende Substanz, die in der Kunststoffindustrie verwendet wird. Erst vor drei Wochen hatte die deutsche Zeitschrift „Öko-Test“ in ihrem Sonderheft über Schwangerschaft und Geburt vor der Verwendung bestimmter Stillkissen gewarnt, weil in den mit Styroporkügelchen gefüllten Polstern Styrol nachzuweisen war. Das Styrol entweicht und wird von Menschen eingeatmet.

Die vielen Meldungen über brennende Chemiefabriken oder sinkende Tanker schwächen sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis. Man fühlt sich kurzfristig bedroht, doch der Ernst der Lage sinkt scheinbar mit der zeitlichen und räumlichen Entfernung.

Das Gift geht längst auf Reisen und ist allgegenwärtig. Am deutlichsten ist dies an der abnehmenden Fruchtbarkeit in den Industrieländern zu erkennen. Die Medien berichten seit Jahren ausführlich darüber. Eine Auswahl: „Die Fruchtbarkeitskrise“ (Feb. 1996), „Verschmutzte Umwelt bringt Mädchen früher in die Pubertät“ (Aug. 1997), „Umweltgifte setzen Fruchtbarkeit drastisch herab“ (Feb. 1998), „Schwache Männer schuld an Kinderlosigkeit“ (Juli 1998), „Spermien von Rauchern mutieren häufiger“ (Okt. 1998) „Pestizide beeinträchtigen Fruchtbarkeit von Männern“ (Aug. 1999), „Hormone im Wasser lassen Fische verweiblichen“ (Juli 2000).

Die Fruchtbarkeitskrise betrifft nicht nur Menschen. Zoologen der University of Florida fiel schon vor Jahren auf, dass die Alligatoren im Bereich des „Lake Okeechobee“ in Florida reduzierte Mengen von Wachstums- und Geschlechtshormonen aufwiesen. Die Forscher konnten keine eindeutigen Ursachen wie etwa Pestizide angeben. Im Forscherteam war man jedoch einhellig der Meinung, dass Umweltgifte als einzige Ursache dafür in Frage kämen. Beunruhigend ist die Sache deshalb, weil Alligatoren ein ähnliches Alter wie Menschen erreichen, am Ende der Nahrungskette stehen und Umweltgifte im Körperfett speichern.

Pflanzenschutzmittel und Zigaretten belasten immer die Fruchtbarkeit. Diese Tatsache ist schon länger bekannt. Eine relativ neue Untersuchung in der Fachzeitschrift „The lancet“ zeigt, dass bei Paaren, die eine künstliche Befruchtung durchführen ließen, der Erfolg einer Vaterschaft geringer war, wenn der Mann – meist beruflich bedingt - Umgang mit Pestiziden hatte. Der Chef einer Klinik für Fortpflanzungsmedizin bei Hannover glaubt daher, dass die Bedeutung der Fortpflanzungsmedizin stark zunehmen werde.

Umweltverschmutzung geht somit alle an, vor allem die nächsten Generationen.

Vibrionen
Ostereier
6 Milliarden
Abtreibungspille RU 486
Ein Kind wird geboren
Bild der Wissenschaft

© 2000 Rudolf Öller, Bregenz