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ÖKO 2000: ARTENSTERBEN

Die Ticker der Wissenschaftsmedien im Internet berichten regelmäßig über ökologische Themen:

„Haifisch-Populationen im Atlantik drastisch zurückgegangen“ (9. 2. 1998). Aufgrund des unkontrollierten Haifischfangs sind im Verlauf der letzten 25 Jahren die Bestände zahlreicher Haifisch-Populationen um 70 bis 90 Prozent zurückgegangen. Es könnte diese Tiergruppe bald nicht mehr geben.

„Jede achte Pflanze ist vom Aussterben bedroht“ (9. 4. 1998). Mindestens 12 Prozent aller Pflanzenarten sind auf Grund vorsichtiger Schätzungen weltweit unmittelbar vom Aussterben bedroht.

„Überfischung bringt Seepferdchen an den Rand des Aussterbens“ (14. 6. 2000). Die Seepferdchen-Populationen gehen weltweit dramatisch zurück. Dies ist die ernüchternde Einschätzung von Londoner Zoologen. In einigen Gegenden seien die Bestände innerhalb der letzten 10 Jahre auf 50 Prozent geschrumpft.

„Größte Schildkröten im Pazifik von Ausrottung bedroht“ (2. 6. 2000). Die weltweit größten Schildkröten sind im Pazifischen Ozean von Ausrottung durch Fischerei bedroht. Dort sank der Bestand der bis zu zwei Meter langen Lederschildkröten Hochrechnungen zufolge seit 1980 von 91.000 Weibchen auf knapp 3.000. Forscher der Drexel Universität in Philadelphia kamen zum Schluss, dass Lederschildkröten im Pazifik am Rande des Aussterbens stehen.

Die vier erwähnten Meldungen sind nur eine kleine Auswahl. Der Artentod ist so alltäglich geworden, dass man ihn genauso wenig beachtet, wie einen lokalen Bürgerkrieg irgendwo im afrikanischen Dschungel.

Die Definition des Begriffs „Art“ ist unscharf, weil man eine Art als Gruppe von Organismen definiert, die einen gemeinsamen Genpool besitzen, die sich also gemeinsam fortpflanzen können. Da auch „Halbarten“ und „Hybride“ bekannt sind, kann man die Zahl der existierenden Tier- und Pflanzenarten nur schätzen. Bei Viren, Bakterien und einfachen Organismen, bei denen Selbstbefruchtung oder Jungfernzeugung zu beobachten ist, ist der Artbegriff besonders unscharf.

Diese Mängel können nicht über die Gewissheit hinwegtäuschen, dass weltweiter Bodenverbrauch, Intensivlandwirtschaft, Brandrodungen, Überfischung und andere Ursachen ein Artensterben eingeleitet haben, wie es zuletzt vor 65 Millionen Jahren stattgefunden hat. Damals verschwanden ganze Tiergruppen wie Saurier und Ammoniten.

Das weltweite Artensterben gleicht einem ökologischen russischen Roulette. Jede verschwindende Art entspricht einer leeren Revolverkammer. Bis jetzt ist es bei einer gewissen Beklemmungen über den Artenschwund geblieben, aber eines Tages könnte sich eine einzige verschwindende Art als scharfer Schuss gegen die Menschheit herausstellen.

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© 2000 Rudolf Öller, Bregenz