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DAS OSTERPARADOXON

Unser Osterfest ist aus dem jüdischen Passahfest abgeleitet, das am ersten Frühlingsvollmond beginnt. Das Pessach- oder Passahfest (hebräisch: „Verschonung“) ist ein jüdisches Wallfahrtsfest, das laut Überlieferung auf die Befreiung Israels in Ägypten zurückzuführen ist. Unser Osterfest beginnt definitionsgemäß am Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmond, weil Jesus kurz vor Pessach hingerichtet wurde. Es ist daher kein Zufall, dass in der Karwoche immer Vollmond ist, denn dies ist die Folge eines kirchlichen Konzilsbeschlusses.

Ursprünglich war der Ostertermin in den christlichen Gemeinden uneinheitlich geregelt. Auf dem ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. einigte man sich auf die bekannte Formel, wonach Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert wird. Da aber auch der Beginn des Frühlings damals nicht eindeutig festgelegt war, wurde am Konzil bestimmt, dass der Stichtag der 21. März - die "Frühlings-Tagundnachtgleiche" - sein sollte. Diese kirchliche Regelung gilt noch heute. Die weiteren beweglichen kirchlichen Feste ergeben sich folgendermaßen: Aschermittwoch ist 46 Tage vor Ostern, Pfingsten ist 49 Tage nach Ostern, Christi Himmelfahrt ist 10 Tage vor Pfingsten, Fronleichnam ist 11 Tage nach Pfingsten.

Mit dieser Norm lassen sich die unterschiedlichen Ostertermine erklären. Der früheste mögliche Ostertermin ist der 22. März. Das ist dann der Fall, wenn der Vollmond auf den 21. März fällt und der 22. März ein Sonntag ist. (Beinahe erreicht am 23. März. 2008). Der späteste mögliche Ostertermin ist der 25. April. Wenn ein Vollmond auf den 20. März fällt, dann erscheint der erste Frühlings-Vollmond erst am 18. April. Ist dieser Tag zufälligerweise ein Sonntag, dann ist Ostern eine Woche später, und das ergibt dann den 25. April als spätesten Zeitpunkt (z.B. Ostern 2038). Heuer haben wir ein sehr spätes Osterfest. Der erste Frühlingsvollmond fiel auf Dienstag, den 18. April, der nachfolgende Sonntag ist der 23. April, und das ist immerhin nur 2 Tage vor dem letztmöglichen Datum.

Wegen der Schalttage kann der astronomische Frühlingsbeginn vom kirchlichen abweichen. So findet der tatsächliche – astronomische - Frühlingsbeginn zwischen dem 19. März vormittags und dem 21. März abends statt. Heuer war der astronomische Frühlingsbeginn am Montag, 20. März. Da an diesem Tag auch Vollmond war, hätte Ostern dieses Jahr eigentlich schon am 26. März stattfinden müssen, doch die alte kirchliche Regel sticht die astronomische aus. Diesen seltenen Sonderfall nennt man „Osterparadoxon“.

Pontius Pilatus
Der Befehl des Augustus
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© 2000 Rudolf Öller, Bregenz