zurück 1999 vorwärts

AUF LINIE BRINGEN

Nach der Eroberung des Persischen Reiches durch Alexander den Großen breitete sich die griechische Kultur der Antike schnell unter den Völkern des Mittelmeergebietes aus. Ägypten fiel unter die Herrschaft der Ptolemäer (die Nachfahren eines der Generale Alexanders), und Griechen strömten in die neu gegründete Hauptstadt Alexandria. Dort errichteten und unterhielten die ersten Ptolemäer das Museum, welches von den Bildungsstätten des Altertums am ehesten einer heutigen Universität entsprach. Die alexandrinischen Gelehrten sind berühmt wegen ihrer Forschungen auf den Gebieten Mathematik, Astronomie, Geographie und Physik. Die Freiheit des Denkens erreichte damals die erste große Blüte in der Geschichte.

Im Mittelalter wurden dem menschlichen Geist Fesseln angelegt. Die Denker wurden auf Linie gebracht, doch auch dies gelang nur unzureichend und nur für relativ kurze Zeit. Schon 1231 zerbrach der theologisch geschlossene Horizont, vor dem auch die Naturwissenschaften sich in das religiöse Weltbild einzuordnen hatten. In diesem Jahr emanzipierten sich die Naturwissenschaften erstmals, als man an den Fakultäten von Paris und Oxford die Naturwissenschaften getrennt von der Theologie zu lehren begann. In einer Welt, in der Abweichler denunziert, gefoltert oder liquidiert wurden, wagte damals der Franziskanermönch Roger Bacon, die geistigen Ketten des Mittelalters aufzubrechen. Er war es, der Dinge dachte, für die die Zeit noch nicht reif war. Auch Jahre im Gefängnis konnten seinen Feuergeist nicht brechen.

Auch Galileo Galilei ließ sich trotz Verurteilung nicht mundtot machen. Der Prozess gegen den italienischen Astronomen und Physiker war letztlich vergeblich gewesen. Seine neue Astronomie breitete sich im 17. Jahrhundert wie ein Lauffeuer über ganz Europa aus. Kaiser, Könige, Päpste, Fürsten, Diktatoren – nicht alle, aber doch viele von ihnen - versuchten dem freien Denken Fallen zu stellen. Keinem einzigen ist das wirklich auf Dauer gelungen. Noch im 19. Jahrhundert wurden Wissenschafter verfolgt, weil sie angeblich gefährliche Gedanken verbreiteten. Der österreichische Botaniker Franz Unger gilt als erster Forscher, der Dinosaurier und urzeitliche Landschaften in Bildern und nach wissenschaftlichen Richtlinien darstellte. Unger erregte damals - Jahre vor Charles Darwins Evolutionstheorie - mit diesen Ansichten den Unmut reaktionärer Geister. Man denunzierte Unger und forderte seine Entfernung von der Universität, was aber nicht gelang.

Freie Gedanken ließen sich weder von mächtigen noch von unbedeutenden Kleingeistern dauerhaft auf eine starre Linie zwingen. Daran wird sich auch im nächsten Jahrtausend nichts ändern.

Der Fürst
Charles Darwin
Dialog und Prozess
Irrlehren und Theorien
Die letzte Kränkung
Giordano Bruno
Tycho Brahe
Das geozentrische System
Die Gründerväter
Die Krise der Ideologien
Fahrenheit 451
Der gescheiterte Papst
Skeptiker

© 1999 Rudolf Öller, Bregenz