zurück 1999 vorwärts

Das 20. Jahrhundert: PHARMAZIE

Der Pharmazeut trägt gemeinsam mit Chemikern, Medizinern und Biologen die Verantwortung für die Entwicklung neuer Medikamente. Im Altertum wurden Arzneimittelkunde und Medizin gleichzeitig ausgeübt, wobei auch Priester eine Rolle spielten, die Kranke mit Hilfe religiöser Riten zu heilen versuchten. Bei Naturvölkern besteht auch heute noch eine enge Verbindung von Arzneien, Medizin und Glaube.

Die Arzneimittelkunde als eigene Wissenschaft („Alchimie“) breitete sich zu Beginn des Mittelalters vom Orient kommend nach Europa aus. Die Alchimisten wurden nicht selten als Betrüger verspottet, es ist aber unbestritten, dass wir dieser Zunft viele Entdeckungen zu verdanken haben wie etwa Heilkräuter oder anorganische Säuren, ohne die unsere moderne Industrie nicht mehr existieren könnte. Der heutige Pharmazeut hat es in der Regel mit komplizierten Rezepturen zu tun, die in der Pharmaindustrie entdeckt und unter horrendem finanziellen Aufwand entwickelt und getestet wurden.  

Das 20. Jahrhundert brachte eine Fülle von Medikamenten wie Narkosemittel, Schmerzmittel, kreislaufstabilisierende Arzneien und andere Drogen. Das berühmte und bakterientötende Penicillin, das vom Schimmelpilz „Penicillium notatum“ erzeugt wird, wurde erstmals 1928 vom britischen Bakteriologen Alexander Fleming beobachtet.

Gesellschaftsverändernd wirkten empfängnisverhütende Mittel wie die „Ovulationshemmer“ – allgemein als „Antibabypille“ oder kurz „Pille“ bekannt. Diese Präparate enthalten Kombinationen von Schwangerschaftshormonen. Die Wirkungsweise beruht unter anderem auf einem so veränderten Hormonhaushalt der Frau, dass es zu keinem Eisprung (Ovulation) kommt. Neuerdings haben auch Präparate wie „Viagra“ oder „Mifegyne“ Schlagzeilen gemacht. Während die Manneskraftpille Viagra eher eine Zielscheibe von einschlägigen Witzen darstellt, ist um die Zulassung des Abtreibungsmittels „RU486“ – so die ursprüngliche Bezeichnung für Mifegyne – eine Auseinandersetzung entbrannt.

Der Conterganskandal war eine Vertrauenskrise. Der Wirkstoff Thalidomid wurde 1953 in Deutschland entdeckt und 1958 unter dem Namen Contergan als Schlaf- und Beruhigungsmittel auf den Markt gebracht. Erst im Lauf der Zeit stellte sich heraus, dass das scheinbar harmlose Medikament - während der Schwangerschaft eingenommen - zu Missbildungen bei Embryos führte. Als Folge der Katastrophe wurde Contergan vom Markt genommen. In der Zeit von 1958 bis 1962 wurden allein in Deutschland etwa 10 000 Kinder mit missgebildeten Gliedmaßen geboren, nur etwa die Hälfte dieser Kinder war lebensfähig.

Die größte Gefahr der modernen Pharmazie liegt in ihrer vermeintlichen Allmacht. Medikamente sind trotz ihrer Nützlichkeit keine Mittel, die auf Knopfdruck glücklich und zufrieden machen.

Mikroskop
Virenjäger

Resistenz
Medizintechnik
Aspirin, Viagra & Co
Vakzination (Jenner)
Ehrlich und Behring
Sommerserie 2004: Drogen
Bild der Wissenschaft

© 1999 Rudolf Öller, Bregenz