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Was haben Albert Einstein, Niels Bohr, Paul Dirac, Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg, Erwin Schrödinger, Karl Landsteiner und James Watson gemeinsam?

Albert Einstein veröffentlichte 1905 seine spezielle und 10 Jahre später seine allgemeine Relativitätstheorie. Beide zunächst als verrückt erscheinende Theorien stellten sich später als richtig heraus. Der dänische Physiker, Nobelpreisträger und Fußball-Nationalspieler (!), Niels Bohr, entwickelte das erste brauchbare mathematische Modell eines Atoms. Paul Diracs Theorie der Elektronenbewegung führte zur Vermutung, daß es neben den negativ geladenen Elektronen auch positiv geladene "Positronen" geben müsse. Diese absonderlich erscheinende Theorie bestätigte sich, als der amerikanische Physiker Carl Anderson 1932 das Positron als Antimaterie entdeckte.

Wolfgang Pauli entwarf eine interessante Theorie, wonach man die Bewegung der Elektronen im Atom durch Quantenzahlen beschreiben kann, wobei zwei Elektronen niemals gleiche Zahlen besetzen können. Werner Heisenberg entwickelte im Zusammenhang mit der Beschreibung des Atoms seine "Unschärferelation", die nicht nur auf die Physik, sondern auch auf die Philosophie einen nachhaltigen Einfluß ausübte. Erwin Schrödinger entwarf eine Wellenformel, die auf alle Elementarteilchen anwendbar ist und von der ein großer Physiker sagte, sie sei "die erstaunlichste Entdeckung des 20. Jahrhunderts". Karl Landsteiner entdeckte kurz nach der Jahrhundertwende die Blutgruppen, und James Watson entschlüsselte gemeinsam mit Francis Crick die chemische Grundstruktur der Gene.

Die Frage steht im Raum, was diese Nobelpreisträger (stellvertretend für viele andere) gemeinsam haben. Sie alle haben ihre Theorien in jungen Jahren entworfen. Als Dirac und Heisenberg nach Stockholm fuhren um ihre Nobelpreise abzuholen, wurden sie von ihren Müttern begleitet.

Diese und andere junge Forscher hatten gleichermaßen mit Selbstvertrauen und Sachkenntnis ihre Arbeit in Angriff genommen. Das kreative Draufgängertum der Jugend hat also genauso ihren Wert wie die Reife des Alters, wenngleich Sorglosigkeit auch den Keim des Mißerfolgs in sich tragen kann. Fehlerlos sind nur diejenigen Menschen, die nichts arbeiten, die sich für nichts interessieren und die kein Engagement zeigen. "Erfolgreich sein", meinte einmal der britische Premierminister Winston Churchill, "bedeutet einmal mehr aufzustehen als man auf die Schnauze gefallen ist.

Den Schulabgängern sei ins Stammbuch geschrieben, daß Beherztheit und Engagement mehr Leben in die Tage bringt. Die ältere Generation sollten daher die unvermeidliche Unbekümmertheit der Jugend genauso akzeptieren wie sie von der Jugend Respekt vor der Erfahrung einfordert.

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© 1999 Rudolf Öller, Bregenz