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TÄGLICHE DENKFEHLER [1]

Denkfehler zeigen sich tagtäglich, niemand ist vor ihnen sicher. Denkfehler treten nicht nur im Alltag auf. Da es überall "menschelt", haben sie auch schon manchen Wissenschafter auf die falsche Fährte geführt.

Der häufigste Denkfehler ist das altbekannte "post hoc ergo propter hoc" (Danach geschehen, daher deswegen geschehen.) Zwei aufeinanderfolgende zufällige Ereignisse werden irrtümlich miteinander verknüpft: "Gestern habe ich mich gegen Grippe impfen lassen, heute habe ich Schnupfen, das kommt davon". Obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, wird willkürlich eine Verbindung zwischen beiden Ereignissen hergestellt.

Eine häufige Fehleinschätzung geschieht durch simplen Trugschluß. Man erfindet eine Verknüpfung, wie zum Beispiel diese: "Unsere Nation ist groß und rechtschaffen, daher ist Gott auf unserer Seite." Der Irrtum ist hier offensichtlich, weil "Gott mit uns" - zumindest in Kriegszeiten wie diesen - jede Nation behauptet.

Eine besonders häufig vorkommende Inkorrektheit ist die Berufung auf Unwissenheit. Mangelnde Kenntnis wird mit dem Beweis des Gegenteils verwechselt. Es wird hier behauptet, daß das, was nicht als falsch bewiesen werden kann, automatisch richtig sein muß: "Beweise mir, daß es keine Außerirdischen gibt" heißt es beispielsweise. Leider kann selten bewiesen werden, daß es etwas nicht gibt, und schon liegt der Denkfehler zutage: "Ha! Du kannst nicht beweisen, daß es keine Außerirdischen gibt, daher gibt es sie." Auch der angebliche wissenschaftliche Beweis der Unabhängigkeit des menschlichen Geistes vom Gehirn durch nicht existierende Meßergebnisse ist ein neuzeitlicher philosophischer Denkfehler.

Eine in den Wissenschaften weit verbreitete Täuschung ist die Verwechslung von Korrelation und Ursache. Zwei Meßgrößen, die durch Zufall parallel laufen, werden irrtümlich für Ursache und Wirkung gehalten. Studenten machten sich einmal den Jux und verglichen Storchpopulationen in einer Region mit den menschlichen Geburtenraten. Die Zahlen wiesen gewisse Übereinstimmungen auf. Die Populationen der Störche gingen im gleichen Ausmaß zurück wie die Geburtenraten, worauf die Studenten zum Spaß den "wissenschaftlichen korrekten" Schluß zogen, daß der Storch die Kinder bringt. In genau diese Korrelationsfalle ist letztes Jahr der "Playboy" Gunter Sachs mit seinem Buch "Die Akte Astrologie" getappt. Er wollte Horoskope statistisch beweisen, indem er findige Berechnungen anstellte. Die Rechnungen an sich waren zwar richtig, aber die Formeln hatte er unkorrekt angewendet. Die Schlußfolgerungen und statistischen Interpretationen waren am Ende genauso grundfalsch wie die kuriose Storchengeschichte.

Im Zeichen des Steinbocks
Falsche Prognosen
Widerspruchsfreiheit
Denkfehler (2)
Alles ist möglich
Nur eine Theorie
Masermythos
Bild der Wissenschaft

© 1999 Rudolf Öller, Bregenz