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PIERRE SIMON de LAPLACE

Der italienische Astronom und Physiker Galileo Galilei hatte die Wissenschaft revolutioniert. Galileo war der Meinung gewesen, daß man neues Wissen nicht dadurch gewinnen könne, indem man alte Bücher durchstöberte sondern an die Natur Fragen stellte. Das Experiment war geboren. Noch im gleichen Jahrhundert stellte der brillante englische Physiker Isaac Newton Galileis neue Wissenschaft auf ein mathematisches Fundament. Seine "Principia Mathematica" zählen unbestritten zu den größten wissenschaftlichen Leistungen aller Zeiten.

Im folgenden 18. Jahrhundert wurde die physikalische Anwendung der Mathematik zur wichtigsten Aufgabe der Wissenschaft. Die Bedeutung von Newtons Arbeiten war erkannt worden. Meisterhafte Denker wie Pierre Simon de Laplace machten sich nun daran, die neue Physik weiter zu entwickeln. Seine Schriften umfassen Studien zur Kosmologie, Schwingungs- und Wärmelehre, Himmelsmechanik und Wahrscheinlichkeitstheorie.

Berühmt wurde Laplace, als er 1773 durch mathematische Anwendungen der Newtonschen Bewegungsgesetze nachwies, daß die Bewegungen der Planeten unseres Sonnensystems beständig sind. Kurz vorher war nämlich die Konstanz der Planetenbahnen mehrmals in Frage gestellt worden. Damit war ein entscheidender Schritt zur Erkenntnis getan, daß die Planeten- und Mondbewegungen in unsem Sonnensystem nach festen Gesetzen ablaufen. Laplace‘ Methode erlaubte daraufhin die Berechnung astronomischer Tabellen. 1785 entwickelte er eine spezielle Differenzialgleichung, die, wie sich erst später herausstellen sollte, auch auf die Gravitation, die Ausbreitung von Wellen sowie viele andere Phänomene der Natur anwenden ließ.

Laplace entwickelte auch eine Theorie über die Entstehung der Planeten. Diese sollten durch rotierende Gasnebel entstanden sein, und damit lag er nach heutiger Sicht der Dinge richtig. Darüber hinaus verfaßte Laplace ein Werk über die Mathematik der Wahrscheinlichkeit, ein Wissensbereich, ohne den Demoskopen, Bankfachleute, Versicherungen – überhaupt die gesamte moderne Wissenschaft – nicht mehr auskommt.

Laplace traf einmal mit Napoleon zusammen und erklärt ihm seine Himmelsmechanik. Napoleon hört zu und fragte: "Wo ist denn Gott in Ihrem Weltbild?" Laplace antwortete ungerührt: "Diese Hypothese, Sire, benötige ich nicht." Die Erfolge bei der Berechenbarkeit der Planetenbahnen verleiteten Laplace eines Tages zu der Hypothese, daß, wenn alle Zustände eines komplizierten Systems bekannt wären, man die Zukunft des Systems beliebig voraussagen könnte. Heute wissen wir, daß Laplace in diesem Punkt irrte.

Viele Originaldokumente von Laplace gingen im 2. Weltkrieg während eines alliierten Bombenangriffs auf Caen verloren. Simon de Laplace wurde vor 250 Jahren am 28. März 1749 in Beaumont-en-Auge geboren. Dieser großartige Gelehrte ist trotz einiger weniger Schwachpunkte in seinen Theorien zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten.

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© 1999 Rudolf Öller, Bregenz