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JOINT YEAR 2000 COUNCIL

Der Streit um die Frage, wann das neue Jahrtausend beginnt, ist unnötig. Der Beginn des 3. Jahrtausends liegt tatsächlich erst am 1. Jänner 2001, aber der Wechsel von 1999 auf 2000 ist wegen der befürchteten Computerpannen spannender. Managern und Computerfachleuten ist das Jahr 2000-Problem längst bekannt. Aus diesem Grunde wird an der Umprogrammierung großer elektronischer Systeme fieberhaft gearbeitet.

Im April 1998 fand ein Treffen statt, auf dem Vertreter der Wirtschaft den "Joint Year 2000 Council" (Rat für die Jahr-2000-Nahtstelle) gründeten um ein Problembewußtsein aufrecht zu erhalten und die Vorbereitung der Privatwirtschaft auf das Jahr 2000 zu fördern. Der Council entfaltete in der Zwischenzeit tatsächlich eine Reihe von Aktivitäten. In einer Presseerklärung empfahl der Rat dringend die Entwicklung nationaler Strategien, um eine "koordinierte Vorbereitung aller Sektoren der Volkswirtschaft" sicherzustellen.

Am 30. Oktober 1998 fand auf Initiative der Deutschen Bundesbank zusammen mit dem Joint Year 2000 Council eine Konferenz in Frankfurt statt. Über 80 Vertreter von Aufsichtsbehörden und Zentralbanken aus 32 Ländern nahmen daran teil. In gemeinsamen Erklärungen bekräftigten die Konferenzteilnehmer, daß man in allen europäischen Ländern daran arbeite, die großen Computersysteme beim Jahreswechsel vor einem ruinösen Absturz zu bewahren.

In der Zwischenzeit haben der Council, bestehend aus dem Baseler Ausschuß für Bankenaufsicht, dem Ausschuß für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungssysteme, der internationalen Vereinigung der Versicherungsaufseher und der internationalen Vereinigung der Wertpapieraufseher, Arbeitspapiere entwickelt. Diese Dokumente bilden eine Grundlage für die Durchführung intensiver Tests. Da große Computersysteme meist komliziert vernetzt sind, können diese Tests nicht ohne Vorbereitungen durchgeführt werden. Dies ist auch der Grund für den leergefegten Markt an guten Programmierern. Firmen, welche das Problem bisher auf die leichte Schulter genommen haben, sind schon im Rückstand.

In einem der Arbeitspapiere des Councils heißt es: "Die Jahr 2000-Umstellung birgt das Risiko, daß die Fähigkeit von Unternehmen, Geschäftstransaktionen durchzuführen, beeinträchtigt werden kann. ... In den Fällen, in denen ein Großteil der Geschäftsaktivitäten und -abläufe stark technologieabhängig ist, könnte das Versäumnis, keine Test ... durchzuführen, weitreichende Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit des Unternehmens haben." Im Klartext: Wer seine elektronische Haustechnik nicht intensiv testen läßt, riskiert am 1. Jänner 2000 einen Zusammenbruch. Universitäten kann es dabei genauso erwischen wie militärische Systeme, Liftbetreiber oder Fluggesellschaften.

© 1999 Rudolf Öller, Bregenz