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Das Y2k-PROBLEM [1]

Computerprogrammierer neigen wie andere Fachleute dazu, einfache Begriffe so mystisch zu umschreiben, daß kaum jemand weiß, was gemeint ist. Das von Computerfachleuten erfundene Kürzel "Y2k" ist leicht zu entschlüsseln. Y bedeutet year, also Jahr, und k ist die Abkürzung für kilo, was wiederum nichts anderes wie tausend heißt. "Y2k" ist somit eine Abkürzung für das "Jahr 2000".

Eine erstaunlich große Zahl der heute laufenden Computer-Betriebssysteme stammt noch aus einer Zeit, als Speicherplatz und Rechenzeit sehr teuer waren. Die Programmierer mußten im Gegensatz zu heute mit jeder einzelnen Speichereinheit geizen. Um Speicherplatz zu sparen, haben die Programmierer in elektronischen Datenverarbeitungsanlagen (EDV) die Jahreszahlen nur mit den letzten beiden Ziffern angegeben. Auch bei späteren Programmentwicklungen wurde diese Praxis aus purer Gewohnheit beibehalten. Man war nämlich der Meinung, daß sowohl die Computer als auch die Programme kurzlebig seien und die Jahrtausendschwelle nicht erreichen würden. Das war ein Irrtum.

Je nach Computerprogramm kann der 16. Jänner 1999 verschiedene Formen annehmen. Von 99-01-16 über 16/01/99 bis zu 991601 oder 011699 ist alles möglich. Wenn diese Systeme am 31.12.1999 auf den 1.1.2000 umschalten, kann es unter Umständen ein elektronische Probleme geben, weil manche Systeme mit den Datumskombinationen 00-01-01 oder gar 010100 nichts mehr anfangen können, oder - schlimmer noch - bei Auftreten von Nullenkombinationen plötzlich irgendwelche Programmroutinen gestartet oder auch unerwartet beendet werden. Das Teuflischste an der ganzen Sache ist, daß das Problem nicht auf eine eigene fehlerfreie Software beschränkt bleibt. Fehlreaktionen der Computer können auch durch importierte Fremdsoftware auftreten.

Eine bekannte Vorarlberger Firma hat die Steuerung ihres neuen Großlagers mit einer neuen Computersoftware ausrüsten lassen und sich dabei die 2000-Tauglichkeit von der Lieferfirma bestätigen lassen. Beim Probebetrieb ist bei der Umschaltung auf das Jahr 2000 das Computersystem zusammengebrochen. Ein Problem liegt nämlich darin, daß kaum noch eine Firma alle Software-Lösungen selbst entwickelt, sondern Teilprogramme zukauft und in die Eigenentwicklungen implantiert.

Nicht nur Computer haben mit der Datumsumstellung zu kämpfen. Auch elektronisch eingebettete Systeme, die auf Datumsangaben zurückgreifen, wie Klimaanlagen, Telefonanlagen, Kraftwerke, Tresore, Geldautomaten, RADAR-Anlagen, Instrumentenleitsysteme usw. müssen alle für den Jahreswechsel umprogrammiert werden. Es genügt dabei nicht, lediglich die Mehrzahl der Computer fit zu machen. Nur ein einziger Fehler kann wegen komplexer Vernetzungen ganze Systeme in die elektronische Hölle fahren lassen.

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© 1999 Rudolf Öller, Bregenz