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HIMMELSTELEFONE

Das Element Iridium ist ein Edelmetall und zählt zur Gruppe der Platinmetalle. Gemeinsam mit Platin bildet es eine besonders harte Legierung. Der Urmeterstab in Paris besteht aus einer Platin-Iridium-Mischung. "Iridium" ist auch der Namensgeber für ein neuartiges Satellitentelefon, das in Kürze seine Dienste anbieten wird. Dieses neue System sollte ursprünglich aus 77 Satelliten bestehen. Da ein Iridiumatom 77 Protonen im Atomkern hat und somit die chemische Ordnungszahl 77 aufweist, war dieses Element Namensgeber für das neue Himmelstelefon. In der Zwischenzeit ist die Zahl der in 780 km Höhe kreisenden Satelliten auf 66 geschrumpft. Das entsprechende Element wäre das sehr seltene Dysprosium, ein offenbar wenig attraktiver Name.

Die 66 Iridium-Satelliten fliegen in sechs Formationen jeweils zu elft von Pol zu Pol. Eine völlig neue Handy-Generation kann von jedem Punkt der Erde aus - egal ob Dschungel, Südsee oder Antarktis - die Satelliten erreichen. Von dort wird dann über eine von 12 Bodenstationen das entsprechende erdgebundene Netz angesteuert. Das gesamte System ist für weltweit 12 Millionen Teilnehmer ausgelegt.

Zahlreiche Konkurrenten sind bereits eifrig am Werk und werden bald auf den Markt drängen. "Globalstar" will mit 48 Satelliten starten, "Celestri" mit 63 und "Sky Bridge" mit 64. Ganz dick möchte Bill Gates‘ Firma Microsoft auftragen. Microsoft plant gemeinsam mit anderen Konzernen das System "Teledisk" mit 288 Satelliten. Dieses System soll nicht nur Telefongespräche sondern auch riesige digitale Datenmengen transportieren. Dagegen nehmen sich die 12 Satelliten von "Odyssey" und die 10 Raumflugkörper von "ICO" geradezu kümmerlich aus.

Die Investitionen sind gewaltig, entsprechend groß ist das Risiko. Jedes System benötigt geschätzte Beträge von etwa 3 bis 15 Milliarden Dollar. Ob die Rechnungen auch aufgehen werden, weiß zur Zeit niemand. Auf jeden Fall wird man den Erfolg oder Mißerfolg von Iridium genau unter die Lupe nehmen, denn schon in der Testphase häuften sich dort technische Probleme.

Statussymbole sind heute rar geworden. Kein GSM-Handy taugt mehr dafür, es gibt inzwischen zu viele. Dies kann sich rasch ändern, wenn die ersten Satellitentelefone mit den 20 Zentimeter langen Antennenstümpfen (Kostenpunkt ca. 3000 US-Dollar) und mit den Vorwahlen 008816 und 008817 auftauchen. Diese neuen Telefone werden irgendwann ihre unvermeidlichen technischen Anfangsprobleme hinter sich lassen, und die Welt - neuerdings auch "globales Dorf" genannt - wird wieder ein wenig kleiner werden.

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© 1998 Rudolf Öller, Bregenz