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GESCHWÄTZIGKEIT

Amerikanisch klingende Kürzel sind bei Menschen mit schlichter Sprachgestaltung beliebter denn je. So gesellte sich etwa zum "hire and fire" (heuern und feuern) der dynamischen Wirtschaftsleute und zum "wash and go" der sportlichen Körperpfleger ein "publish or perish" (etwa: veröffentliche oder verrotte) der flinken Forscher.

Publish or perish! Der Zwang zum Veröffentlichen wissenschaftlicher Erkenntnisse ist übermächtig geworden ist. Forschung und Lehre ist teuer, und nicht selten erregen Forscher und Institute, die durch eine rasche Folge von Publikationen und - meist vagen - Versprechungen auffallen, die Aufmerksamkeit von Geldgebern. So laufen also unzählige wissenschaftliche Meldungen über die Bildschirme der Nachrichtenagenturen und des Internet.

Vor kurzem erschien die Meldung, daß bei der Therapie bösartiger Hirntumore die Gentechnik neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet. In Deutschland haben angeblich Mediziner einer Neurologischen Universitätsklinik einen neuen gentechnischen Ansatz zur Bekämpfung dieser Geschwulste gefunden. Demnach kann ein körpereigenes Eiweiß das Tumorwachstum hemmen. Bis zur klinischen Anwendung "seien aber weitere Untersuchungen nötig".

Ähnliches sind wir von der AIDS- und anderen Fronten längst gewohnt, wo wir beinahe schon wöchentlich von sensationellen "Durchbrüchen" erfahren. Eine neue Gruppe von Impfstoffen, so wurde vor wenigen Monaten verkündet, "könnte" den Kampf gegen gefürchtete Erreger wie Malaria-Parasiten, Grippeviren und HIV in einigen Jahren revolutionieren. Viele Forscher bauen auf diese Substanzen, die im wesentlichen aus einem Gen des jeweiligen Erregers bestehen. Einige hoffen, mit den neuen Impfstoffen auch Krebsarten behandeln zu können. Andere arbeiten an genetischen Vakzinen gegen Krankheiten, die das körpereigene Immunsystem attackieren. Auch gegen hartnäckige Stämme von Herpes- und Tollwut-Viren wird mit Hochdruck gearbeitet.

Das alles klingt interessant und erfreulich, doch der Satz am Schluß der jeweiligen Veröffentlichung, daß man eben noch viel forschen müsse, bis es soweit sei, sollte Anlaß zur Skepsis geben. Die voreilige wissenschaftliche Mitteilung, daß es sogar gelungen sei, Bakterien zu klonen, hat übrigens den Vogel abgeschossen. Der Bart dieser Meldung ist reif für das Guiness-Buch der Rekorde, denn Bakterien bilden seit Jahrmilliarden natürliche Klone.

Pure Geschwätzigkeit untergräbtdas Vertrauen in die Forschung. Wir alle wissen, daß viele Krebserkrankungen, AIDS und andere Übel immer noch unbesiegt sind. Wir alle wissen ebenso, daß weltweit unzählige Gelehrte am Werk sind um diese Krankheiten zu besiegen. Schließlich ahnen wir aber, daß der Weg dorthin noch lange und dornig ist.

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© 1998 Rudolf Öller, Bregenz