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DER URKNALL

Die Völker und Religionen der Erde pflegen Mythen, in denen über die Entstehung des Universums berichtet wird. Die überlieferten Darstellungen sind gewaltig in Wort und Inhalt, aber erst in diesem Jahrhundert kam allmählich Licht ins Dunkel unserer fernsten Vergangenheit.

1917 legte Albert Einstein ein Modell des Universums vor, das auf seiner allgemeinen Relativitätstheorie gründete. Einstein zeigte, daß die Schwerkraft mit einer Krümmung eines vierdimensionalen Raum-Zeit-Gebildes gleichzusetzen ist. Aus seiner Theorie zog Einstein den Schluß, daß das Universum sich entweder ausdehnt oder zusammenzieht.

Der amerikanische Astronom Edwin Hubble begründete in der Folge die moderne außergalaktische Astronomie. Er war der erste Mensch, der erkannte, daß andere Galaxien Millionen Lichtjahre entfernt sind. Diese Entfernungen waren damals ein Schock für die Astronomen.

Hubble erkannte, daß die Fluchtgeschwindigkeit der Galaxien mit zunehmender Entfernung anwächst. Dieses Gesetz zählt zu den interessantesten Entdeckungen unseres Jahrhunderts. Das Verhältnis der Fluchtgeschwindigkeit einer Galaxie zu ihrer Entfernung nennt man die "Hubble-Konstante". Sie ist leider noch nicht genau bekannt, man benötigt sie zur Berechnung des Alters des Universums.

1948 präsentierten die Physiker George Gamow, Ralph Alpher und Robert Hermann eine Theorie, wonach das Universum blitzartig aus einem unbekannten Etwas heraus geboren wurde. Sie gingen von der Idee aus, daß der Kosmos durch eine unvorstellbar heiße Explosion entstanden war, und daß sich seine heute sichtbaren Bestandteile erst in der Folge bildeten. Erkenntnisse aus der Hochenergiephysik besagen, daß Wasserstoff und Helium die ersten Produkte dieser Explosion gewesen sein müssen, und schwerere Elemente erst später entstehen konnten.

Die Astronomen Hermann Bondi, Thomas Gold und Fred Hoyle schlugen ein anderes Modell des Universums vor, das als Theorie des "stationären Kosmos" bekannt wurde. Sie hielten die Idee von einem plötzlichen Beginn des Universums für abwegig. Hoyle verhöhnte die Theorie von einer heißen Anfangsphase des Universums als "Big Bang". Diese Verspottung verbreitete sich schnell und ging als "Urknall" in den deutschen Sprachschatz ein.

1965 entdeckten die amerikanischen Nachrichtentechnikern Penzias und Wilson die kosmische Hintergrundstrahlung, die man heute als Echo des Urknalls interpretiert. Seither gilt die Gamowsche Lehrmeinung des Urknalls, die heuer 50 Jahre alt und sogar von Papst Johannes Paul II akzeptiert wird, als bisher beste Theorie. Offene Fragen über das Alter und die Zukunft des Universums hofft man im kommenden Jahrzehnt klären zu können.

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© 1998 Rudolf Öller, Bregenz