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KLEINE ORGANSPENDER

Der italienische Bub, der kürzlich ohne Hirn zur Welt gekommen war, hat die ganze Nation aufgerüttelt. Wie konnte es die Mutter wagen, so der Grundtenor der Empörung, ein gehirnloses und todgeweihtes Kind bewußt auszutragen nur um dessen Organe entnehmen zu lassen?

Das Transplantieren von Organen ist heute längst zur Routine geworden. Die durch das Immunsystem des Körpers hervorgerufenen Abstoßungsreaktionen werden zwar immer noch gefürchtet, man hat aber dieses Problem heute besser im Griff als noch vor Jahrzehnten. Verpflanzt werden Haut, Lunge, Leber, Nieren, Herz - um nur einige Organe zu nennen. Prinzipiell zählt auch das Übertragen von Blut und Knochenmark zum Themenbereich der Transplantation.

Das italienischen Baby "Gabriele" war ohne Großhirn zur Welt gekommen. Ein großirnlos geborenes Kind bezeichnet man in der medizinischen Fachsprache als "Anenzephalus". Ein Anenzephalus kommt bei etwa tausend Geburten einmal vor. Die Kinder sterben früh, meist wenige Tage nach der Geburt. Normalerweise werden gehirnlose Kinder schon früh mit Ultraschall erkannt, der jeweiligen Mutter rät man in solch einem Fall zur Abtreibung. Bei Baby Gabriele hatte sich die Mutter jedoch entschlossen, das Kind auszutragen und die Organe zur Übertragung freizugeben.

Das Thema ist nicht so neu, wie es die Nachrichtenagenturen kürzlich verkündeten. Bereits 1987 setzte sich Professor Fritz Beller, Gynäkologe am Zentrum für Frauenheilkunde in Münster, öffentlich für das Austragen von großhirnlosen Kindern ein. Damals führte Beller mehrere Transplantationen durch. Sowohl Erwachsene als auch zwei Kinder im Alter von vier und neun Jahren erhielten jeweils Nieren von gehirnlosen Säuglingen. Die erfolgreich durchgeführten Operationen wurden in angesehenen Fachzeitschriften publiziert.

Auf einem medizinischen Kongreß im Dezember 1987 referierte Professor Beller über "Föten als Organspender". Der Vortrag stieß bei vielen ärztlichen Kollegen auf Ablehnung, und anwesende Feministinnen vom Berliner "Frauengesundheitszentrum" protestierten lautstark dagegen, "Frauen zu lebenden Brutkästen zu degradieren." Beller bleib ungerührt, er war überzeugt, daß seine Methode bald Schule machen würde. Tatsächlich wurde noch im selben Monat in der Universitätsklinik von Loma Linda in Californien einem gehirnlos geborenen Baby Organe zum Zweck der Transplantation entnommen.

Der bei weitem bedenklichste Aspekt an der Sache ist die Meinung Professor Bellers, die er bereits 1980 öffentlich vertrat. Ein Baby ohne Großhirn, dozierte er damals, sei kein wirklicher Mensch. Wissenschaftlich betrachtet, schloß Beller, habe ein gehirnloser Fötus "trotz vorhandener Herztätigkeit niemals gelebt."

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© 1998 Rudolf Öller, Bregenz