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JAHRMILLIARDEN

Die Erde, darüber sind sich die Geologen einig, ist gut 6400 Millionen Jahre alt. Damals entstand über dem glutflüssigen Untergrund eine erste feste Gesteinskruste. Aus der Messung des Zerfalls und der Durchmischung langlebiger radioaktiver Elemente kann man dieses Alter bestimmen.

Milliarden Jahre kann sich der Mensch unmöglich vorstellen. Eine schwache Ahnung von den Zeiträumen erhält man, wenn man die 6400 Millionen Jahre modellhaft schrumpfen läßt. Unsere gedankliche Zeitraffer-Reise durch die Erdgeschichte dauert also genau ein Jahr.

In der Urzeit der Erde, sie dauert von Neujahr bis etwa Mitte November, entsteht irgendwann im Frühjahr das Leben. Die ersten erhaltenen Lebenwesen, es handelt sich um sogenannte Cyanobakterien, tauchen Mitte März auf. Im Laufe der Wochen und Monate entstehen verschiedene Algenformen und mehrzellige Lebewesen, zunächst schwammartige Tiere, später Würmer und Weichtiere.

Mitte November, am Beginn des Erdaltertums, kommt es zu einer explosionsartigen Vermehrung der Arten. In der letzten Novemberwoche tauchen die ersten einfachen Wirbeltiere auf, zu Dezemberbeginn schließlich die ersten Panzerfische. In der ersten Dezemberwoche versinken riesige Farnwälder, die Steinkohle kann sich bilden. Kurz darauf erobern die ersten Lurche das Land und atmen mit Hilfe einer aus der Fischblase entwickelten Lunge.

Gegen Ende der 2. Dezemberwoche geschieht eine weltweite Umweltkatastrophe, welcher ein Großteil der Tier-und Pflanzenarten zum Opfer fällt. Nun schlägt die Stunde der Reptilien und Ammoniten. Die Reptilien beherrschen in Form der Saurier alle Lebensräume. Die Ammoniten - Tintenfische mit schneckenähnlichen Gehäusen - dominieren die Meere.

Mitte Dezember erscheinen die ersten Säugetiere, die Vögel tauchen etwas später kurz vor Weihnachten auf. Am Weihnachtstag kommt es zur zweiten weltweiten Umweltkatastrophe. Die Saurier und Ammoniten sterben plötzlich aus. Nur wenige Reptilien überleben das Desaster. Es folgt die Erdneuzeit mit einer rasanten Entwicklung der Säugetiere, der Vögel, der Insekten und Blütenpflanzen.

Ein fossilienreicher Meeresboden wird durch gewaltige Schubkräfte, die bis heute wirken, aufgetürmt. Das komplizierteste Faltengebirge der Welt, die Alpen, entstehen. Am 31. Dezember, etwa 4 Stunden vor Mitternacht, beginnt das Zeitalter der Eiszeiten und Zwischeneiszeiten. Die Vorfahren des Menschen erscheinen.

Der heutige Menschentyp erscheint 12 Minuten vor Mitternacht. Von Afrika aus erobert er alle Kontinente. Zuletzt gelangt er über eine schmale Landbrücke von Sibirien nach Amerika. Dreieinhalb Sekunden vor Mitternacht wird Amerika von Columbus nochmals entdeckt. Ein Menschenleben dauert eine halbe Sekunde.

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Dämonen und Rauhnächte
Die allmächtige Zeit

© 1997 Rudolf Öller, Bregenz