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AIDS 1997

Die Zahl der Todesopfer infolge der Immunschwächekrankheit AIDS geht derzeit sowohl in den USA als auch in Europa zurück. Dies ist auf Bildung, Aufklärung und auf eine Mehrfach-Kombinationstherapie von verschiedenen Klassen von Medikamenten zurückzuführen. In den USA sank die Zahl der an AIDS Verstorbenen von 50.100 im Jahr 1995 auf etwa 38.700 im vergangenen Jahr.

Die angewendeten Medikamente teilt man in verschiedene Gruppen. Die sogenannten "nucleosidischen Hemmer" (NRTI) sind den echten Bausteinen der Viren so ähnlich, daß sie als falsche Bausteine bei der Virusvermehrung eingebaut werden. (Retrovir, Videx, Hivid, Epivir usw.) Die "nicht-nukleosidischen Hemmer" (NNRTI) wirken etwas anders als die NRTI, aber ähnlich. (Viramine, Lovirdine usw.)

Die "Protease-Inhibitoren" (PI) sind Wirkstoffe, die ein vom AIDS-Virus HIV selbst mitgebrachtes Enzym hemmen. Es handelt sich um jenes Enzym, welches das neugebildete HI-Virus so aufbaut, daß es neue Zellen befallen kann. Dieser wichtige Schritt wird "Assembly" oder "Maturation" genannt. Bekannte Protease-Hemmer sind u.a. Invirase, Crixivan, Ritonavir und Norvir.

Alle durchgeführten Studien zeigen, daß Kombinationstherapien besser wirken als alle bisher erprobten Behandlungen mit nur einem Medikament. Die größte Wirksamkeit hat bisher die Kombination von "Retrovir" und einem Protease-Hemmer gezeigt. Bei den entsprechenden Patienten ist die HIV-Vermehrung seit etwa zwei Jahren durch diese kombinierte Therapie blockiert. Der Effekt scheint vorerst anzuhalten.

Das größte Problem bei der Therapie ist die Bildung von Resistenzen. Unter Resistenz versteht man die Unempfindlichkeit eines Krankheitserregers gegenüber einer Heilbehandlung. Werden die Medikamente einzeln gegeben, so vermehren sich innerhalb weniger Monate resistente Viren, gegen die das Medikament nicht mehr wirkt. Der Nutzen des Präparats ist damit vorüber. Die beste Strategie gegen Resistenzbildung ist eine hohe Dosierung und eine andauernde und ununterbrochene Einnahme der Medikamente. Dies erfordert ein hohes Maß an Disziplin beim Patienten, vor allem dann, wenn unvermeidliche Nebenwirkungen wie etwa Schwindelgefühl und Übelkeit auftreten. Auch kurzzeitiges Absetzen der Behandlung kann schwerwiegende Folgen in Form eines resistenten Virenstammes haben.

Die Vermehrung der HI-Viren läuft im sogenannten Lymphsystem des Menschen ab. Dort haben AIDS-Forscher auch unter allerhärtesten AIDS-Therapien aktive Reservebestände an Viren entdeckt. Somit kann noch nicht von Heilung gesprochen werden.

Der 1. Dezember ist der Welt-AIDS-Tag. Wir sollten uns an diesem Tag ins Bewußtsein rufen, daß AIDS trotz aller Erfolgsmeldungen immer noch eine ansteckende, unheilbare und tödliche Krankheit ist.

Die vergessene Epidemie (2003)
Aids 2000
Gefährliche Aids-Mythen
Aids 1999
Aids und BSE
Der Spiegel

© 1997 Rudolf Öller, Bregenz