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SPRACHSCHWINDEL

Neue und wichtige Entdeckungen werden alle Jahre in den Wissenschaften gemacht. Sie erweitern unseren geistigen Horizont ohne daß altes Wissen über Bord geworfen werden muß. Wissenschaftliche Revolutionen hingegen, radiakale Umwälzungen des Wissens und Erkennens, geschehen eher selten.

Galileo Galilei, Antoine de Lavoisier, Charles Darwin und Albert Einstein sind vier Jahrhundertsymbole wissenschaftlicher Neuorientierungen.

Der italienische Astronom Galileo Galilei entwarf im 17. Jahrhundert mit Hilfe des Fernrohrs ein neues Bild unseres Sonnensystems. Der französische Chemiker Lavoisier begründete im 18. Jahrhundert die moderne Chemie. Im 19. Jahrhundert entriß der geniale Brite Charles Darwin der Biologie ihr altes Fundament und begründete mit seiner Evolutionstheorie eine neue Sicht der Dinge. Der Wissenschaft unseres Jahrhunderts wurde durch Albert Einstein der Stempel aufgedrückt. Einsteins spezielle und allgemeine Relativitätstheorie tausendfach kritisiert jedoch nie widerlegt korrigierten nachhaltig die Welt der Physik.

Die genannten Wissenschaftler haben nicht nur eine richtungsgebende Wirkung auf die Welt des Wissens gemeinsam. Sie weisen noch eine zusätzliche Ähnlichkeit auf. Ihre schriftlichen Werke zeichnen sich durch eine unvergleichliche sprachliche Schlichtheit und Schärfe aus. Sicherlich braucht man gewisse Vorkenntnisse um Einsteins oder Darwins Bücher gewinnbringend lesen zu können, aber die sprachliche Klarheit ist unübersehbar.

Szenenwechsel: Der geplagte Leser und Hörer findet im Alltag vertraute Begriffe wie "Jugendliche" oder "Kinder" manchmal durch "Youngsters" oder "Kids" ersetzt. Statt "Gesichtern" bekommt man es mit "faces" zu tun, statt einer "Annäherung" hört man "approach" so kürzlich aus dem Munde eines Regierungsmitglieds. Was soll sich ein Leser auch denken, wenn er in einem Nachrichtenmagazin von "gefakten" Uhren aus Thailand liest? Ein neues noch unbekanntes Fremdwort? Man möchte doch "in" sein und wissen, worum es geht. "Gefakt" ist nicht etwa ein falsch geschriebenes unanständiges englisches Wort sondern kommt von "fake", und das bedeutet "Fälschung" oder "Schwindel". Die Liste dieses Sprachschwindels ist endlos fortzusetzen.

Hier sind einfältige Leute am schreibenden Werk, die nie richtig gelernt haben, sich einfach und klar auszudrücken, die gleichzeitig aber den falschen Anschein erwecken wollen, sie beherrschten eine Fremdsprache.

Die geistigen Giganten der Geschichte haben ihre Revolutionen über die gesprochene und geschriebene Sprache verbreitet. Kein Wort war dabei zu wenig, keines zu viel. Man sollte sich hie und da an diese Tugend erinnern. Hohle Phrasen mit erfundenen Fremdwörtern sind nicht "cool" sondern nur dämlich.

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© 1997 Rudolf Öller, Bregenz