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METER und EURO

Die Notwendigkeit eines international einheitlichen Meßwesens war schon lange gefordert worden. Fuß, Yard, Elle, Klafter, Zoll - jedes Land hatte sein eigenes Meßwesen. Im Mittelalter war es besonders schlimm, da hatten einzelne Städte und Regionen ihre eigenen Maße, die außerdem ungenau festgelegt waren. Handel und Wissenschaft wurden durch dieses Chaos bei den Maßeinheiten empfindlich behindert.

Im 18. Und 19. Jahrhundert wurden mehrere Versuche gestartet, die Maße zu vereinheitlichen. Die Pariser Weltausstellung von 1867 brachte endlich den erhofften und entscheidenden Schritt. Es kam zur Gründung eines Kommitees, welches über ein internationales einheitliches System der technischen Einheiten wachen sollte. Man einigte sich auf das in Frankreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte Metersystem.

Vor 125 Jahren wurde schließlich die Anfertigung eines neuen und extrem genauen Meterprototypen aus einer Platin-Iridium-Legierung beschlossen, bereits ein Jahr zuvor war Österreich der Meterkonvention beigetreten. Die Meßgenauigkeit des neuen Meterstabs lag damals bei einem hundertstel Millimeter.

Es blieb nicht bei der internationalen Definition des Meters. Zu Anfang unseres Jahrhunderts wurde zusätzlich das Kilogramm definiert, es folgten nach und nach andere Maßeinheiten. In den Fünfzigerjahren machte man den letzten Schritt. Das weltweit gültige Einheitensystem, das "Système International d’Unités", kurz "SI" genannt, wurde etabliert. Das System beruht auf den Beschlüssen der Generalkonferenz für Maß und Gewicht. Als Basiseinheiten in Physik und Technik wurden Meter für die Länge, Sekunde für die Zeit, Kilogramm für die Masse, Ampere für die Stromstärke, Kelvin für die Temperatur und Candela für die Lichtstärke definiert. 1971 kam noch das Mol für die atomare Stoffmenge dazu.

Manchmal geistern noch alte Einheiten herum, wie etwa das Torr (Millimeter Quecksilbersäule) bei der Messung des Blutdrucks. In der modernen technisch-wissenschaftlichen Literatur sind aber nur noch die vereinheitlichten Maße zulässig und gebräuchlich: Joule statt Kalorien, Watt statt PS, Newton statt Kilopond usw.

Bei den Maßeinheiten hat sich die Internationalität durchgesetzt, bei den Währungen herrscht noch tiefstes Hinterwäldlertum. Jedes Land der Welt druckt seine eigenen Banknoten. Eine einheitliche Weltwährung wäre für Handel und Wirtschaft sicher am besten, aber dies bleibt noch lange eine Illusion. Eine kontinentale Währung wie der Euro wäre nichts anderes als eine Vereinheitlichung und somit eine Vereinfachung der Zahlungsmittel - zumindest in Europa. Der Euro wird so wie die einheitlichen Maße nichts verbessern und nichts verschlechtern, aber vieles erleichtern.

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© 1997 Rudolf Öller, Bregenz