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REFORMBEDÜRFTIGE SCHULE

Ein internationaler Vergleich von Schulbildung brachte bemerkenswerte Details ans Tageslicht. Im Fach Mathematik liefern Österreichs Schüler hinter Singapur, Japan, Korea und Hongkong im Schnitt die besten Leistungen Europas. Der Vergleich umfaßte im Sachunterricht die Bereiche Biologie, Erdkunde, Umweltkunde und Physik. Über fünftausend Mädchen und Buben aus 133 österreichischen Schulen beantworteten Testfragen. Hinter Korea, Japan und den USA belegten die österreichischen Schulen den vierten Platz noch vor den europäischen Nationen Holland, Tschechien und England.

Die Studie ist ein schöner Beweis dafür, daß die Vermittlung von Basiswissen in den österreichischen Schulen nach wie vor gut funktioniert. Kurz gesagt: Das österreichische Schulsystem ist entgegen anderslautender Meinungen noch nicht ernsthaft beschädigt. Es ist trotz unbestreitbarer Reformbedürfnisse weiter intakt.

Sucht man nach Gründen für das gute internationale Abschneiden der österreichischen Schulen, so liefern die Statistiken viele Zahlen, die einer Interpretation bedürfen. Eine OECD-Studie aus dem Jahre 1996 ("Education at a glance") zeigt interessante Details. Direkte Vergleiche von Schulstufen sind jedoch kaum möglich, weil für eine Hochschulreife in Österreich beispielsweise ganz andere Erfordernisse notwendig sind als etwa in den USA.

Bei den Ausgaben pro Schüler liegt Österreich im Spitzenfeld, im Volksschulbereich an fünfter Stelle aller OECD-Staaten, bei den zehn- bis neunzehnjährigen an zweiter Stelle. In Österreich kommen 11,8 Volksschüler (OECD-Schnitt: 17,5) und 7,8 Schüler höherer Schulen (OECD-Schnitt: 12,9) auf jeweils einen Lehrer.

Die OECD-Studie untersuchte auch die Verteilung der Lehrer und Schüler auf die verschiedenen Schultypen in den Ländern. In Österreich, so erfährt man, sind 8 Prozent aller Lehrer in privaten Institutionen angestellt. Eine erstaunlich hohe Zahl für ein Land, dem man nachsagt, alles staatlich regulieren zu wollen.

Zur Zeit bemühen sich Lehrer und Ministerium um neue und zeitgemäße Lehrpläne und die Schulen um neue Leitbilder. Bei Bildungsinhalten und Leitbildern kann man immer geteilter Meinung sein. Unteilbare Wahrheiten müssen jedoch bleiben wie etwa die Erkenntnis, daß alle Schüler - auch lernschwache - stets menschlich zu behandeln sind und daß Lernen nicht nur Spaß machen kann. Erwerbung von Wissen bedeutet immer auch ernsthafte Arbeit.

Unsere Schule sei trotz aller Erfolge reformbedürftig, heißt es. Was denn sonst? Eine Forderung in diese Richtung ist hanebüchen, da jedes Schulsystem der Welt durch die rasche Änderung des Wissens und der Gesellschaft laufend reformiert werden muß.

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© 1997 Rudolf Öller, Bregenz