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SEUCHEN

Die grausamste Epidemie der Geschichte war die Pest. Ihr erster Vernichtungszug dauerte von 1346 bis 1352. Damals starben allein in Europa über 20 Millionen Menschen, ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Der "schwarze Tod" verschonte kein Geschlecht und keinen Stand.

Erst im Jahre 1894 entdeckte der französische Bakteriologe Alexandre Yersin, daß die Beulenpest von einem Bakterium verursacht wird. Wenn ein Rattenfloh eine vom Pestbakterium infizierte Ratte beißt, nimmt er das Bakterium auf. Dieses vermehrt sich im Darm des Flohs und verstopft seinen Verdauungstrakt. Die Folge ist, daß das Tier kein Blut mehr verdauen kann. Es wird hungrig und aggressiv und attackiert immer häufiger auch andere Tiere, schließlich auch den Menschen. Vom Menschen auf andere Menschen können sich die Bakterien, ähnlich wie beim Schnupfen, durch Tröpfcheninfektion weiterverbreiten. Jahrhunderte hindurch kam die Pest immer wieder nach Europa und forderte jedesmal unzählige Menschenleben. Der letzte ganz große Ausbruch erfolgte im Jahre 1665 in London.

Nach der Pest tauchten weitere Epidemien auf. Im Jahre 1735 brach in Nordamerika eine Seuche aus, die bis 1740 ein Fünftel aller Kinder tötete. Die Symptome waren Fieber, Halsschmerzen, Zerstörungen innerer Gewebe und Tod durch Herzversagen. Der Erreger war ein Bakterium, die Krankheit erhielt später den Namen ‘Diphterie’.

Die Cholera, welche bis ins 19. Jahrhundert auf Asien beschränkt war, verbreitete sich in den letzten hundert Jahren über die ganze Welt. Sie bricht in vielen Hunger- und Krisengebieten regelmäßig aus und tötet unzählige Menschen.

Auch die Grippe gehört zu den gefährlichen Seuchen. In den letzten 300 Jahren wanderten Grippeviren in mehreren Wellen um den Erdball. Die letzte große Grippe-Epidemie tötete in den Jahren 1918 und 1919 mehr als 20 Millionen Menschen und richtete gewaltigen wirtschaftlichen Schaden an - nicht zu reden vom menschlichen Leid.

Großangelegte Schutzimpfungen haben Masern, Kinderlähmung, Diphterie und anderen gefährlichen Seuchen den Schrecken genommen und diese Krankheiten scheinbar ausgerottet. Daher ist in den letzten Jahren die Bereitschaft zum Impfen teilweise zurückgegangen. Dies hatte zur Folge, daß längst besiegt geglaubte Infektionskrankheiten über Nacht wieder auftauchten.

Das Impfen zählt unbestreitbar zu den großen Errungenschaften der Wissenschaft, weil der Ausbruch einer Krankheit durch körpereigene Abwehrstoffe unterbunden wird. Ein Staat, der alle Impfungen weitgehend subventioniert, handelt volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch klug. Eine sinkende Impfmoral samt ihren Folgeerscheinungen kommt langfristig teuer.

Die Seuchen kommen
Die Entdeckung von Aids
Die vergessene Epidemie
Der Krieg der Welten
Morbilli ante portas
Grippe
Masermythos

© 1997 Rudolf Öller, Bregenz