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RACHEL CARSON

Die chemische Substanz DDT wurde bereits 1874 in Deutschland synthetisch hergestellt. Wesentlich später erkannte der Schweizer Chemiker Dr. Paul Müller die tödliche Macht, die in diesem Molekül steckt. Für seine Entdeckung erhielt Müller 1948 den Nobelpreis für Chemie.

Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich das DDT weltweit durch. Kleingärtner versprühten es genauso intensiv wie landwirtschaftliche Großbetriebe. Ja sogar Hausfrauen lernten schnell, DDT gegen alles kriechende und summende Kleingetier anzuwenden. Niemand beachtete bis weit in die Fünfzigerjahre hinein die ernsten Warnung von Dr. Müller, daß man über eventuelle Nebenwirkungen von DDT nichts wisse.

In dieser Situation recherchierte die amerikanische Biologin und Schriftstellerin Rachel Louise Carson in Bibliotheken, befragte Biologen und Chemiker und wertete Statistiken aus. Ihre Studien führten 1962 zum ersten großen und bis heute unvergessen Umweltbuch "Der stumme Frühling" (original: "Silent Spring"). In diesem Buch sagte Carson ein Verschwinden der gesamten Vogelwelt sowie dramatische gesundheitliche Folgen für die gesamte Menschheit voraus, falls der Einsatz von DDT ungebremst weitergehen sollte.

Das leidenschaftliche Engagement gegen DDT blieb nicht ohne Folgen. Die Bruderschaft zwischen chemischer Industrie und amerikanischer Landwirtschaft konnte sich einen derartigen Angriff, noch dazu von einer Frau, nicht so einfach bieten lassen. Diese Allianz, welche bis dahin ungehindert ihr gefährliches DDT-Gift versprühen konnte, schoß aus allen publizistischen Rohren gegen den plötzlich aufgetauchten Gegner. Miss Carson, so argumentierten die Vertreter der Chemie, verhalte sich herzlos gegenüber den humanitären Tugenden des DDT. Außerdem, so hieß es verächtlich, mangle es ihr an "notwendigen Vorkenntnissen"

Präsident John F. Kennedy fand Carsons Aussagen immerhin so bemerkenswert, daß er 1962 einen wissenschaftlichen Beratungsausschuß einberief, der die Richtigkeit von Carsons Thesen bestätigte.

Da aber zunächst ein Unglück geschehen mußte, bevor man konkrete Maßnahmen beschließen konnte, wurden Kontrollen erst installiert, nachdem im Mississippi-Delta mehrere Millionen Fische nach einem übermäßigen Einsatz von DDT-Pestiziden zugrunde gegangen waren.

Vor 33 Jahren, am 24. April 1964, starb Miss Carson. Am darauffolgenden Tag traten die ersten strengen Kontrollmaßnahmen der USA gegen DDT inkraft. Heute ist DDT weltweit verpönt, nachdem seine schädlichen Wirkungen eindeutig nachgeweisen worden waren.

Rachel Carson gilt heute als die erste kämpferische Umweltschützerin dieses Jahrhunderts. Sie war nicht der einzige Mensch, dem man Unsachlichkeit und Emotionalität vorwarf, obwohl - oder besser: weil - eine häßliche Wahrheit zu verkünden war.

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© 1997 Rudolf Öller, Bregenz